Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1900)
- Article
- Danzig
- Date
- 1900-02-01
- Page
- 92 (sequence 2)
- Language
- German
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92 3m deutschen Reich. zweier Offiziere der Garnison zu verantworten, mit welchen er in Wortwechsel gerathen war, nachdem einer derselben die Aeußerung gethan hatte, daß er dieselben Schuhe, für die ihm 13,50 Mk. abgefordert worden, in Berlin für 8 Mk. erhalten könne. Die Zeugenaussagen fielen zu Ungunsten des Angeklagten aus, worauf derselbe zu 1000 Mk. Geldstrafe oder 50 Tage Gefängniß und Publikations- Befugniß verurtheilt wurde. Nachdem Berufung gegen dieses Urtheil. eingelegt worden, fiel die Sache in zweiter Instanz noch ungünstiger für Baer auö, der nun zu einer zweimonatigen Gefängniß strafe verurtheilt worden ist und dieselbe zweifellos verbüßen muß. Gegen das strenge Urtheil wird kaum Jemand etwas einwenden, wohl aber wird dasielbe vielfach das Bedauern wachrufen, daß nicht die Beleidigungen, welche der Gesammtheit der Juden ziemlich häufig zugefügt werden, dieselbe schneidige Sühne finden, wie diejenige, die in dem erwähnten Fall für eine Beleidigung von Militärs für nöthig befunden worden ist. Thorn, 2. Februar. Für die Zuverlässigkeit der antisemitischen Berichterstattung ist nachstehende Thorner Korrespondenz bezeichnend, welche Berliner Antisemitenblätter kürzlich veröffentlicht haben: „Großes Aussehen macht hier die Thatsache, daß dem jüdischen Fleischer Borchert die gesummte Fleisch- und Wurstlieferung (Rind-, Kalb-, Hammel- und Schweinefleisch) von der hiesigen Garnisonverwaltung übertragen worden ist. Wie verlautet, beabsichtigt Borchert, sammtliches Rindvieh für diese Lieferung schachten zu lassen, um so recht billig koscheres Fleisch zu erhalten: die Vorderviertel für seine Stammesgenossen natürlich, die Hinterviertel für die Soldaten. Interessant wäre es, zu erfahren, ob Borchert die Schweineschlachtungen selbst vornimmt oder ob er hier der Militärverwaltung gegenüber nur als Zwischenhändler auftritt, wieviel er als solcher verdient und warum die Garnisonverwaltung nicht wenigstens diesen Theil der Lieferungen an die christlichen Selbstschlächter vergiebt, wenn eS denn doch einmal durchaus nöthig ist, das übrige Fleisch von einem Juden zu beziehen." — Hier giebt es keinen jüdischen Fleischer Borchert, sondern nur einen Fleischermeister A. B o r ch a r d t, der früher gemeinsam mit mehreren christlichen Kollegen das Fleisch für die Garnisonverwaltung zu liefern hatte, dem neuerdings aber die Lieferung allein übertragen wurde, da die Garnison davon nur Bortheil hat, wenn sie von den Rindern, die Hinterviertel billig erhält und die an Werth geringeren Vorderviertel anderweit verkauft werden. DaS Schweinefleisch und die Wurst bezieht Borchardt von einem befreundeten katholischen Kollegen,