Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1900)
- Article
- L. M. Magdeburg
- Date
- 1900-01-01
- Page
- 45 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefkasten der Redaktion. 45 eine beständig geübte Weissagung kommender Uebel oder zu erwartender Güter sich jedesmal wieder täuscht, ohne daß die beherzten Theoretiker auch nur die geringste Lehre aus ihrem Jrrthum ziehen." — D i e „Affaire Buschhoff" ist Herrn Heinrich von Treitschke offenbar auch in „falscher Beleuchtung" erschienen und die „Kreuz-Ztg." wird ihn kaum darüber aufgeklärt haben. Wenn die „Kreuz-Ztg." die Urtheile beider Freunde über „Sächselt und die Wettiner" mißbilligt, so dürfte eS sie vielleicht interessieren, daß der verstorbene sächsische Minister des Kgl. HauseS und ehemalige Kultusminister Freiherr von Falkenstein kurz vor der silbernen Hochzeit des Königs Albert einem jüdischen Journalisten erklärte: „Mir ist jeder schlichte, gottesfürchtige, königstreue Jude lieber als ein christlicher Edelmann, der seine Talente dazu benutzt, sein sächsisches Vaterland und sein Königshaus herabzuwürdigen." Z. D. Breslau. Die moralische Ohrfeige, welcher der Herzog von Orleans dem Leiter des Pariser „Gaulois", Arthur Meyer ertheilte, war wohlverdient. Es ist begreiflich, daß der Herzog nicht sehr erbaut davon war, daß sein Intimus, der Herzog von Luynes, in einem offenen Briefe Herrn Meyer das Zeugniß der Charakterfestigkeit und Prinzipientreue ausstellte, nachdem der „GauloiS" eben erst das Talent und die Energie des Prinzen Louis Napoleon gepriesen hatte. Daß der Herzog dabri den Chefredakteur deS „Gaulois", der längst kein Jude mehr ist, als „scheußlichen Juden" bezeichnete, sieht dem Herzog ähnlich, der von der gedankenlosen Jüdin Madame PorgeS zwar das Geld einsteckt und es gern sieht, daß sein Günstling Graf de Mun durch eine Heirath mit einer Jüdin zu Vermögen kommt, sonst aber Raffeantisemit von reinstem Wasier ist und sich noch heute nicht schämt, den Lumpen Esterhazy geküßt zu haben. Ein Ueberläufer wie Arthur Meyer geht uns nichts mehr an; ob er scheußlich ist oder nicht, kümmert uns auch nicht; ist er es, so ist er sicher kein „scheußlicher Jude", und so charakterfest wie der Herzog von Orleans dürste er immerhin noch sein! L. H. Hamburg. Bei den Antisemiten gilt unverkennbar der Satz: „Und der König absolut, wenn er uns den Willen thut!" Unter der. Überschrift: „Kaiser und Jude" wagt das Organ deS Herrn Hans von Mosch, die „Deutsche Reform", am 14. Januar zu schreiben: „Anläßlich deS Besuches, den der Kaiser in Begleitung zweier Adjutanten dem Bankier Franz von Mendelssohn in seiner Villa im Grunewald abstattete, äußerte der Monarch mit Bezug auf