Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1900)
- Article
- Budapest
- Date
- 1900-01-01
- Page
- 36 (sequence 2)
- Language
- German
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86 3m deutschen Reich. Der Ton, der in jenen Artikeln angeschlagen wird, betveist, daß der Verfasser es geradezu auf die Aufwiegelung der Gemüther abgesehen hat. Ich kann es nicht glauben, daß ein Geistlicher meiner Diözese sich so weit vergessen hat. Ich kann es nicht glauben, daß unter ihnen auch nur ein Einziger sich befindet, der, von der Agitation verleitet, im Stande wäre, einen solchen Feuerbrand unter die Massen, zu werfen, welche, durch Unwissenheit und Vorurtheil befangen, so leicht entflammt werden. Aber eben deshalb, lucil in der Einbildung des unwissenden Volkes ein leichtfertig hingeworfenes Wort unberechenbare Folgen nach sich ziehen kann, wenn der Seelsorger sich nicht gleich am Anfang in's Mittel legt, wolle das hochwürdige Dekanat unverzüglich sämmtliche Geistlichen, ganz besonders aber die Namesstoer, auf die unabsehbaren Konsequenzen solcher Agitationen aufmerksam machen und es ihnen an's Herz legen, das; sie im Bewußtsein ihrer schweren Verantwortung mit der ganzen Wachsamkeit ihrer priesterlichen Weisheit auf der Warte flehen mögen, damit nicht die Gläubigen nachher unter dem durch das böswillige, leichtfertige Treiben anderer verursachten Schaden zu leiden haben. Wir erwarten über die Vorkommnisse baldige, eingehende Meldung und bleiben Ihnen mit oberhirtlichem väterlichen Segen aufrichtig gewogen. Bischöfliche Residenz zu ZipS, 29. Oktober 1899. Paul m. p., Bischof. X London» 15. Januar. Urber den Oberst Albert Goldsmid, der als Generalstabschef der vom General Kelly-Kanny kommandierten sechsten Division der britischen Armee nach Südafrika abgeht, wird folgendes berichtet: „Goldsmid stammt von einer aus Spanien nach Holland geflüchteten Maranenfamilie, dir später nach England über« siedelte. Der Großvater des Obersten Albert hat als General in der Schlacht bei Waterloo gekämpft. Albert Goldsmid selbst trat mit zwanzig Jahren in die Armee ein, nachdem er zuvor zum Judenthum übergetreten war, was übrigens seiner Karrier« nicht geschadet hat. Er wurde nach zwölf Jahren Hauptmann im Generalftab und brachte eS bis zum Oberstleutnant. Barön Hirsch berief ihn 1893 zum Generaldirektor seiner Kolonien nach Argentinien, wohin er mit Jahresurlaub ging, nach dessen Ablauf er als Oberst und Kommandeur deS 41. „Welfch"-RegimentS den Militärdienst wieder aufnahm. Bald darauf wurde er in den Generalstab zurückberufen und geht nun als Generalstabschef nach dem Kriegsschauplatz ab. Als Präsident mehrerer philanthropischer Vereine hat sich der. wackere Offizier besonderbei den armen Juden Londons große Beliebtheit erworben.