Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1900)
- Article
- Breslau
- Date
- 1900-01-01
- Page
- 26 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316663-2316665-2325286--06259-2325391- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
26 3m deutschen Reich. Dortrag über „Studententhum und Antisemitismus" etwa Folgendes ausführte: Für den Juden sei eS ein Gebot der Selbstvertheidigung, alles kennen zu lernen, was auf seine rechtliche und wirtschaftliche Stellung Einfluß haben könne. Darum müsse er auch mit den Universitäten vertraut werden, auf denen die geistigen Führer de- Volkes, die Männer des Wisiens und der Macht ihre Ausbildung erhielten. Redner gab eine Uebersicht der auf den deutschen Hochschulen bestehenden Verbände und wies, nachdem er den Verein deutscher Studenten gebührend beleuchtet hatte, auf die Wahlkämpfe an der Akademischen Lesehalle in Berlin hin, welche wohl jeden über das Vorhandensein des Antisemitismus an den Universitäten belehren dürften. Eine Abwehrbewegung sei 1686 von Breslau aus durch die „Diadrinen" in'S Leben gerufen worden; doch seien solche Verbindungen der Abneigung der jüdischen bürgerlichen Kreise zu sehr ausgesetzt. Wie der Central- Derein in Berlin für das Deutsche Reich bereits eine feste Organisation geschaffen, so sei eS Sache lokaler Arbeit, durch Begründung von Diskutierklubs darauf hinzuwirken, daß die Lehren der Jugendjahre nicht vergessen werden und man einer ehrlichen Mitarbeit sicher sein könne. Denn nicht darauf komme eS an, recht viele Juden in Amt und Würden zu wissen, wenn sie eben nur Beamte, aber keine Juden mehr seien. Ein Jude, der vergesse, daß er ein Kämpfer für seine GlaubenSbrüder sein müsse, sei nicht werth, Jude zu heißen. — Am 8. Januar hielt an derselben Stelle Herr cand. phil. et tfceol. Robert Kaeller einen Vortrag über „Die Taufe". Nach einer historischen Uebersicht über Judentaufen in früheren Jahren wandte sich der Redner den Uebertritten des 19. Jahrhunderts zu. Wenn auch die von dem Missionar de le Roi angeführten Zahlen als zu hoch gegriffen anzusehen seien, bedeute doch die UebertrittSbewegung dieses Jahrhunderts für daS Judenthum eine ernste Gefahr, deren Ursachen man nachspüren müsse. Für die erste Periode fand Redner den Grund in der plötzlichen Erschließung eines neuen Kulturlebens, daS sich den Juden in Folge der Kulturarbeit Mendelssohns eröffnete, für die Uebertritte der letzten Jahrzehnte weit minder als in der Thätigkeit der Miffionsgesrllschaften, in dem Antisemitismus und dem religiösen Jndifferentismus. Die Ausführungen des Redners klangen in die herrlichen Worte Rießer'S auS: „Das Vaterland kann, darf und mag von uns fordern was eS von seinen Bürgern zu fordern berechtigt ist; willig werden wir ihm alles opfern, nur Wahrheit und Ehre nicht, nicht Glaube und Treue!" — Nachträglich sei erwähnt, daß in einer am 7,v. M. stattgehabten Versammlung deS Jüdischen Rede» und DiSkutier-Klubs