Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / F. i. G.
- Date
- 1899-12-01
- Page
- 689 (sequence 1)
- Language
- German
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689 Eingesandt. Es ist in der geschichtlichen und religiösen Entwickelung der Juden begründet, daß ste es nie unternahmen, für die Ausbreitung des reinen und einheitlichen Gottesglaubens bei Andersgläubigen zu wirken; es genügte ihnen, sich denselben zu erhalten und wahrlich, er allein ist es, der sie, trotz der Unterdrückung durch alle Nationen, nicht nur aufrecht erhielt, sondern ihnen auch eine über ihr« Zahl hinausreichende Bedeutung gab. Ja so tiefgehend war und ist diese Passivität, daß die wüthendsten Hetzen und Beschimpfungen der Juden und ihrer Sittengesetze die Gelehrten oder Philosophen höchstens dazu anregten, von Fall zu Fall die falschen Behauptungen zu widerlegen. So konnte es nicht fehlen, daß — was das Betrübendste der heutigen Judenhetze ist — auch die gebildeten und dem Neide unzugänglichen unter unseren christlichen Mitbürgern von einer Nichtachtung gegen das Judenthum erfüllt sind, welche allein entmuthigend auf die Anhänger desselben wirken muß, nicht der wiederholt von berufener Seite als unchriftlich gekennzeichnete Neidantisemitismus, welcher uns höchstens mit Verachtung erfüllt. — Es handelt sich also thatsächlich darum, öffentlich zu erklären und unfern christlichen Mitbürgern darzulegen, daß — was aus dem Glauben an Gott an sich schon hervorgeht, — unsere Sittengesetze in nichts hinter der christlichen Moral zurückstehen und nichts gebieten oder verbieten, was uns hindern könnte, gute Bürger zu sein. Durch immer wiederholte Belehrung darüber sollten wir uns bemühen, nicht nur eine Versöhnung der Gemüther, sondern eine gegenseitige Annäherung der religiösen Anschauungen herbeizuführen. Es ist dies eine dankbare, aber schwierig« Aufgabe, denn wir haben trotz gegentheiliger Behauptungen keine Organisation, als den gemeinsamen Glauben an den einen großen Gott, welcher zwar der gerechten Sache zum Siege verhilft, — nicht aber ohne die That der dazu Berufenen. Es mögen also diejenigen unserer Glaubensgenoffen, welche sich bertisen fühlen, hinaus gehen i n d i e W e l t mit dem Eifer der christlichen Missionäre und zunächst im eignen Lande in Der-