Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1899)
- Article
- O. R. Berlin
- Date
- 1899-12-01
- Page
- 683 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion. m fach ruiniert! Der jüdische Bankerotteur aber läßt sich kein graues Haar wachsen, er hat seine Schulden abgeschüttelt, wie der Hund die Flöhe und wird demnächst ein neues Geschäft eröffnen — wahrscheinlich unter dem Namen seiner Frau Gemahlin! Von einem Straßburger Gewährsmann, dessen hochgeachtete Stellung in der Handelswelt für seine Zuverlässigkeit bürgt, erhielten wir über diesen Fall nachstehende, die Zuverlässigkeit der agrarischantisemitischen Berichterstatter grell beleuchtende Auskunft: S. Straßöurg i. Elf., 6. Dezember. Felhauer ist niemals Jude gewesen, auch hat derselbe ich kenne F. seit feinem Hiersein — weder ein Detail-Geschäft betrieben, noch war er früher hier in Konkurs. Meines Wissens hat er sich erst hier als relativ jimger Mann selbstständig gemacht. Nichtig ist, das; F. in Konkurs ist; die Passiven sollen etwa 900 000 M. betragen, während fast alle Aktiven einer hiesigen Bank gesichert fein sollen. F. ist Mehl- und Fruchthändler und hat eine gewisse Zahl von Bäckern und Müllern durch Gefälligkeitsaccepte theils in Konkurs, theils in empfindliche Situationen gebracht. Genaues läßt sich heute noch nicht sagen, denn es schweben noch Prozesse. Felhauer's Frau fiihrt laut öffentlicher Bekanntmachung auf ihren Namen das Geschäft weiter. A. B., Posen. Nach Ihrer ausführlichen Darlegung erscheint unS das Verhalten der jüdischen Studenten in einem andern, besiern Lichte. Aus der Faffung der Erklärung war aber nicht zu entnehmen, daß das Wort „wiffenschaftlich" nur ironisch gemeint gewesen. Jedenfalls gereicht es uns zur Befriedigung, daß Sie unfern Standpunkt als einen berechtigten anerkennen. D. M. Berlin. Die Modell-Angelegenheit geht uns nichts an. Herr August Sternberg ist Katholik, was die agrarischantisemitische „Deutsche Tageszeitung" allerdings nicht hindert, ihn als einen „jüdischen" Bankier zu bezeichnen. G. 91., Berlin. Wenn das von der „Staatsbürger-Ztg." geschilderte traurige Loos des Taxameter-Erfinders Ihr Mitleid erweckt, so erkundigen Sie sich doch vor allem erst nach dem Namen des angeblichen „jüdischen Kapitalisten", dem der bedauernswerthe Konstruktor Otto Schneider, Schönebergerstr. 7, in die Hände gefallen sein und der ihn dann im Stiche gelassen haben soll. Die „Staatsbürger-Ztg." sagt in dem beweglichen Hilferufe wörtlich: „Auch hier wieder das alte Lied: Der Erfinder kann im Elend verkommen; irgend ein jüdischer Kapitalist aber verwerthet dann seine Erfindung und zieht den Gewinn daraus." Das Antisemitenblatt verwerthet also die Nothlage des armen Erfinders, um gegen die jüdischen Kapitalisten Erbitterung zu erregen, 46