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Im deutschen Reich · 1899-11-01 · Heft 11 (November 1899) · p. 632

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 11 (November 1899)
Article
E. L. Chemnitz
Date
1899-11-01
Page
632 (sequence 2)
Language
German
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832 Im deutschen Reich. schreibt: „Trotz aller Anstrengungen ist in Sachsen noch kein Jude als Richter angestellt morden und wird eS hoffentlich niemals werden." Es giebt aber nicht nur jetzt in Sachsen einige jüdisch« Richter, sondern es hat auch schon vor 40 Jahren dort solche gegeben. Theodor Wolf brachte es als Jude damals schon bis zum LandgerichtSrath. Seine Beförderung zum Landgerichtsdirektor in Zwickau erfolgte allerdings erst, nachdem er zum Christenthum übergetreten war. M. O., Bamberg. Die „Kreuz-Ztg." meldete am 27. Oktober, der hiesige Magistrat habe amtlich mitgetheilt, die Sängerin T e r e f e T o st i sei mit ihrem Manne, dem Klavieroirtuosen Rudolf Panzer, durchgebrannt, ohne von den bei einem Wohlthätigkeitskonzert eingenommenen 257 Mark einen Pfennig für den vorgesehenen Zweck abgegeben zu haben. Eine solche amtliche Mittheilung ist keineswegs erfolgt, denn thatsächlich ist das Künstlerpaar, dessen Verhalten allerdings hier arg verschnupft hat, nicht durchgebrannt, sondern die Sängerin hat dem Magistrat vor ihrer Abreise persönlich mitgetheilt, daß sie von dieser Einnahme nichts abgeben könne. In der Magistratssitzung vom 21. Oktober erfolgte, nach den übereinstimmenden Berichten des „Bamberger Tageblattes" und der „Allg, Zeitung für Franken und Thüringen", nur die Mittheilung, daß das Tosti- Konzert im Stadttheater keine Reineinnahme ergeben habe. Daß die Sängerin ihren jüdischen Namen unter dem Namen Terese Tosti verbirgt und Herr Rudolf Panzer ein „gleichfalls jüdischer" Klaviervirtuose ist, scheint eine freie Erfindung des Kreuz-Zeitungs-Korrespondenten zu sein, da keines der Lokalblätter, welche das Verhalten des Künstlerpaarrs scharf geißeln, von dem religiösen Bekenntniß des letzteren eine Silbe erwähnt. H. S., Heidelberg. Der unglaublich rohe Ton, in welchem der dortige antisemitische „Volksbote" den sensationellen Prozeß der „Harmlosen" bespricht, wundert uns nicht. Daß bei diesem Prozeß ebenso wie s. Zt. bei dem hannoverschen Spieler-Prozeß neben zahlreichen Mitgliedern der Aristokratie auch einige wenige Juden eine Rolle spielten, ist bedauerlich, aber doch nur von nebensächlicher Bedeutung. In den maßgebenden Kreisen weiß man ganz genau, daß dem Hazardspiel mindestens ebenso arg in solchen exklusiven Salons und Klubs, in welchen kein Jude Zutritt erlangen kann, gefröhnt wird. — Uebrigens bittet der antisemitische „Preß- Ausschuß" neuerdings die verehrlichen Abonnenten des „Volksboten", ihren Monatsbeitrag aus 50 Pfg. zu erhöhen, weil „der Volksbote immer noch große Zuschüffe von der Partei erfordert".

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