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Im deutschen Reich · 1899-11-01 · Heft 11 (November 1899) · p. 628

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 11 (November 1899)
Article
P. S., Berlin
Date
1899-11-01
Page
628 (sequence 2)
Language
German
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628 3m deutschen Reich. tuche nagen und daß er nicht wisse, wie er das tägliche Brod beschaffen solle. Nun war die Reihe zu helfen und sorgend «inzugreifen an der Frau, und sie hat es redlich gethan." — Die Nachricht, daß ihr Gatte rückenmarkleidend sei, trieb schließlich die Unglückliche in den Tod. N. M. Berlin. Die von zahlreichen Antisemitenblättern weiter verbreitete Mittheilung des „Wiesbadener Tageblattes", daß der zum Amtsrichter in Dillenburg ernannte Asseffor Levysohn dort trotz hoher angebotener Miethsgelder keine Wohnung habe erhalten können, ist längst widerlegt. Unmittelbar darauf brachte der in Wiesbaden erscheinende „Rhein. Kurier" eine Berichtigung aus Dillenburg, in der gesagt wurde: „Dem Einsender jener Nachricht dürste bekannt sein, daß in unserer Stadt Wohnungsmangel besteht, sodaß Herr Levysohn endlich unter zwei nur in Frage kommenden Logis, die ihm anfänglich nicht gefallende Wohnung in den Räumen des früheren Postgebäudes gemiethet hat. Jedenfalls hat oder hätte sich kein Hausbesitzer geweigert, Herrn L. seine Wohnung zu vermiethen, weil er Jude ist. Thatsache ist, daß in unserer Stadt und auch im früheren Amt der nördlichen Hälfte des Dillkreises, dem Bezirk des Herrn Amtsrichters, seit Menschengedenken keine Juden wohnhaft waren." O. H. Landsberg a. W« Wir haben die Notiz der „Staatsbürger-Ztg." vom 17. Oktober, in welcher Herrn Stadtrath B o a 8 mancher bittere Vorwurf gemacht und der Bürg..stnn abgesprochen wurde, durchaus nicht übersehen. Aber — was ist uns Hekuba? Herr Stadtrath Boas ist nicht „jüdischen Glaubens" und wenn die Staatsbürgerin faselt: „DaS jüdische Blut läßt sich einmal nicht verleugnen", macht dies uns nur Vergnügen. Wer im Begriff 'steht, sich selbst oder seine Kinder taufen zu lassen, um der Verfolgung zu entgehen, den belehren solche Angriffe auf getaufte Judensprößlinge in dankenswerther Weise, wie wenig diese Vogelstrauß-Politik heutzutage schützt. M. K., Posen. Um den Zwischenfall richtig zu beurtheilen, muß man sich die ganze Sachlage vergegenwärtigen: Im Stadttheater zu Posen sollte am 22. September ein von den in der Stadt verweilenden Studenten angeregte Goethefeier abgehalten werden. Kurz vorher verlautete, der Literarhistoriker Dr. Minde-Pouet habe einem jüdischen Studenten gegenüber erklärt, er halte ihn als Juden aus rein literarischen Gründen für ungeeignet, das kerndeutsche Gedicht, für welches er in Aussicht genommen sei, zu deklamieren. Das gehe so wenig an, wie es angehe, daß ein Christ ein Gedicht jüdischen Inhalts öffentlich vortrage. Diese

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