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Im deutschen Reich · 1899-11-01 · Heft 11 (November 1899) · p. 627

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 11 (November 1899)
Article
F. B., Berlin
Date
1899-11-01
Page
627 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Briefkasten der Redaktion. 627 K.-Straße ein jüdisch erNeligionslehrer den Vortrag zum Reformationsfeste gehalten hat. Wir können das, trotzdem Sie verfichern, daß es wahr sei, doch kaum glauben. Warum anonym? Das Redaktionsgeheimniß wird bei uns streng gewahrt." — Wenn selbst die Redaktion des Antifemitenblattes erklärte, dem anonymen Berichterstatter nicht glauben zu können, dann brauchten wir ihm sicher kein größeres Vertrauen zu schenken. Wäre es ihr -nur in der Thal um die Wahrheit zu thun gewesen, dann hätte sie ebenso leicht wie wir den wirklichen Sachverhalt erfahren können und sich die Berichtigung erspart, die sie bald darauf bringen mußte: „Frl. M.Harter, Vorsteherin einer höheren Mädchenschule, theilt uns mit, daß in ihrer Schule die ReformationSfeier am 2. d. M. vom Herrn Pa stör Au gar, Prediger an der St. ThomaSkirche, gehalten worden ist. — Es bezieht sich das auf eine in Nr. 518 an dieser Stelle veröffentlichte Mitteilung, die dahinging, daß in der höheren Töchterschule von Frl. H. in der K.-Straße zum Neformationssest ein jüdischer Lehrer den Vortrag gehalten habe. Wir hatten die Nichtigkeit dieser Mittheilung sofort angezweifelt." — Weshalb die Staatsbürgerin das ihr selbst unglaubhafte'Geschichtchen veröffentlichte, ist nach diesem Sachverhalt durchsichtig genug. Die antisemitische Redaktion rechnete auf die Leichtgläubigkeit derer, die nie alle werden; sie glaubte selbst nicht an die Geschichte, hoffte aber, daß andere den Unsinn glauben! P. S., Berlin. Das traurige Ende der hochbegabten Frau ist sicher beklagenswerth; um so widerwärtiger berührt es, daß die deutsche und die österreichische Antisemitenpresse auch dieses Trauerspiel zu Hetzzwecken benutzt. Das Wiener „Bolksblatt" leistet dabei Haarsträubendes und deutsche Blätter drucken die bösartigen Ausfälle ohne Scheu nach. Die „Staatsbürger-Zeitung" schreibt wörtlich: „Frau von Kapff-Essenther, die.keinerleiUnterstützung von ihrem Gatten erhielt, hatte hier nicht allein für sich, sondern auch für ihre Kinder zu arbeiten." Die arme Schriftstellerin stand aber der „Staatsbürger-Ztg." so nahe, daß diese eigentlich den richtigen Sachverhalt kennen und ebenso gut wissen mußte, was die „Voss.-Ztg." wahrheitsgetreu berichtet:„Anfangs dieses Jahres schickte Blumenreich eine größere Summe, damit die Familie die Ueberfahrt nach Amerika antreten könnte. Seine Gattin entschloß sich nun, vorläufig die beiden Kinder, einen Knaben und ein Mädchen, zu senden, die auch im Juli d. I. in New-^ork landeten. Nun aber verlor Blumenreich seine Stellung, und es diesen jammervolle Briefe bei seiner Frau ein. Er schrieb, daß er und die Seinigen am Hunger- 4'2*

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