Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 11 (November 1899)
- Article
- Nürnberg
- Date
- 1899-11-01
- Page
- 619 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Korrespondenzen. 619 ließ. Diesen Brief beantwortete Scharf dahin, daß es ihm als deutschen Mann und Offizier des Kaisers unmöglich fei, mit einem Juden zu korrespondieren, und er könne es schon nicht mehr ertragen, daß sein Name unter einer jüdischen Firmen-Adresse stehe. Da Scharf zu den bisher angesetztsn Terminen nie erschien, griff schließlich die Münchener Amtsanwaltschaft die Sache auf und ließ Scharf verhaften. Die Verhandlung des Amtsgerichts endete damit, daß Scharf sämmtliche-beleidigende Ausdrücke unter Bedauern zurücknahm und sich zur Kostenübernahme verpflichtete, worauf das Verfahren gegen ihn eingestellt und der Haftbefehl aufgehoben wurde." G Heidelberg. 3. November. Die „Badische Landeszeitung" veröffentlichte kürzlich ein Schreiben, welches der antisemitische Agitator C. W. K r a tz e r t am 25. September d. I. von hier aus absandte, um für seine Partei Stimmen zu werben. Das für die antisemitische Wahlarbeit bezeichnende Schreiben hat folgenden Wortlaut: „Bei, meinem gestrigen.Besuche erfuhr ich, daß Sie unseren Vorschlag, sich von den National liberalen auf st eilen und wählen zu lassen, annehmen und dann bri der Hauptwahl die Stimme unserem (d. h. dem antisemitischen!) Kandidaten geben. Wir sagen Ihnen hierfür im Voraus unseren wärmsten Dank und versichere ich Sie, daß Niemand hiervon etwas erfahren soll. Wir stellen einfach, wie noch in anderen Orten, keinen Wahlmann auf; wenn Sie gewählt sind, wird es heißen: N. R., nationalliberaler Wahlmann, und wir werden dann nicht widersprechen, sodaß Sie nicht in Gefahr laufen, daß Ihnen Unannehmlichkeiten passieren. Ich schick« Ihnen nun anbei einen Ver - p f l i ch t u n g s s ch e i n , den ich Sie bitte, mir recht bald unterschrieben zurückzusenden." Das Manöver hat den badischen Antisemiten keinen Nutzen gebracht. Der antisemitische Abgeordnete Pfisterer ist nicht wieder gewählt worden, so daß di« Antisemiten in der badischen Kammer nur noch über ein einziges Mandat verfügen. ß Prag, 3. November. Unter der Ueberschrift „Katholische Zeugnisse wider die Blutbeschuldigung" veröffentlicht die Prager „Bohemia" eine längere Zuschrift des Professors der Theologie vr. theol. und phil. Hermann L. Strack in Groß-Lichterselde bei Berlin, in welchem derselbe nachweist, daß die Aussage des gelehrten Katholiken Franz Joseph Molitor von dem Eide des Dompredigers Veith thatsächlich Geschehenes berichtet und nicht eine „millionmal gedruckte Judenlüge" ist. Darnach hat der Domprediger an St. Stephan zu Wien, Johann Emanuel Veith, thatsächlich 1840 in der Wiener Stadtpfarre am Prater in dem gedrängt vollen Hause, das