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Im deutschen Reich · 1899-11-01 · Heft 11 (November 1899) · p. 618

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 11 (November 1899)
Article
München
Date
1899-11-01
Page
618 (sequence 2)
Language
German
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618 Im deutschen Reich, zu 30 Mark Geldstrafe, bezw. 6 Tagen Gesängniß verurtheilt wurde. In der Begründung des Urtheils war gesagt, Frenkel sei kein Jude und der Artikel nur deshalb geschrieben, um dem Frenkel in seiner vermeintlichen Eigenschaft als Juden eins anzuhängen. Auf seinem Hausierhandel, den Ludw. Wengg mit dem Mädchenmord von Polna durch die ganze Stadt hin betreibt, kam er gestern in's Universitätsviertel. Dadurch, daß er als ersten Punkt „Die Burenkämpfe" aufs Programm setzte, lockte er außer dem festen Stamm seiner Anhänger ein ziemliches Häuflein Studenten an, die dann erfuhren, daß der südafrikanische Krieg nur das Werk gewisser geldgieriger Kapitalistenkreise in England sei, die die ganze Goldproduktion in ihre Gewalt zu bekommen trachteten. Ein Erfolg dieser Bestrebungen, meinte er, würde eine schwere Gefahr für die Goldwährung Deutschlands und anderer Länder bedeuten. Hiernach überraschte Wengg seine Zuhörer durch Vorlesung eines BegrüßungstelegrammS des Gesandten Leyds. Ueber den Mädchenmord in Polna ließ er zuerst die alte Walze ablaufen, fügte aber dann noch angebliche Stellen aus dem Talmud und der Kabbala über den Nrtualmord hinzu, seine Kol-nidre- Anklage und vor allem eifrige Anfreundungen an die wackeren Gesinnungsgenossen czechischer Zunge. Als dann in der darauffolgenden Diskussion ein solcher mährischer Antisemit sprechen wollte, verbot dies der Polizeibeamte, da das bayrische Vereinsgesetz Ausländer von politischen Versammlungen ausschließt. Da ließ Wengg rasch die Versammlung schließen und proklamierte eine gemüthliche Exkneipe, an der auch Ausländer theilnehmen könnten. Als der Polizeibeamte sich daraufhin entfernt hatte, stellte Wengg seinen Freund Jaromir Hußek, den Redakteur eines czechisch-antisemitischen Blattes, vor. Dieser hielt dann eine Rede, die sich gerade nicht wie eine vergnügte Kneiprede ausnahm, sondern die schwersten Angriffe gegen die Juden enthielt und schließlich den gemeinsamen Kampf der czechifchen und deutschen Antisemiten gegen die wirthschaftiche, politische und journalistische Macht der Juden anpries. Diese Rede erweckte nicht minder Jubel als die wohlgelungene List Wengg's, durch die künstlich erweiterten Maschen des Vereinsgesetzes zu schlüpfen, welche den Münchnern den Genuß verschafft hatte, den antisemitischen Lehren auch aus czechischem Munde lauschen zu dürfen. U Nürnberg, 4. November. Der „Fränkische Courier" berichtet: „Der hiesige Privatier und Lieutenant der Landwehr L u c i a n Scharf war einem Bauunternehmer eine größere Geldsumme längere Zeit schuldig, weshalb ihn dieser durch den Rechtsanwalt Levy mahnen

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