Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 11 (November 1899)
- Article
- Kassel
- Date
- 1899-11-01
- Page
- 616 (sequence 2)
- Language
- German
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616 3m deutschen Reich. Parlaments-Reporter geliefert zu haben. Herr ErdmannSdörfer läßt aber nicht locker und erinnert öffentlich den antisemitischen Redakteur daran, daß er noch einen Monat Frist zur Klageerhebung habe. Eventuell sei er auch auf Wunsch bereit, die Beschuldigungen zu wiederholen, damit eine neue Antragsfrist beginne. ® Frankfurt a. M., 12. November. In dem Prozeß der Stadt Frankfurt gegen den Besitzer des'„judenreinen Kölner Hofs", Laaß, ist vorgestern das Urtheil ergangen. Es verbietet dem Laaß für die Zukunft jede Benutzung des städtischen Trottoirs zum Wirthschaftsbetrieb. Laaß hat sämmtliche P.rozeßkosten zu tragen. Die „Frankfurter Ztg." bemerkt dazu: „Der ursprünglich gestellte Antrag auf Entfernung der Tische und Stühle vom Trottoir ist inzwischen durch die Jahreszeit hinfällig geworden. Dieser Ausgang war vorauszusehen. Trotzdem bestand rechtlich keine Handhabe, den Laaß'schen Uebergriff schon im Sommer gebührend zurückzuweisen. Der Gastwirth konnte ruhig der Stadt ein Schnippchen schlagen, nachdem das Polizeipräsidium den Standpunkt bezogen hatte, daß von dem Treiben des Hotels keine öffentliche Verkehrsstörung^ zu befürchten sei. Gegen das Urtheil der zweiten Civilkammer in Sachen der Stadt Frankfurt gegen Laaß wurde Berufung eingelegt. Bis diese zum Austrag gelangt, ist die zur Entscheidung stehende Frage, wer Eigenthümer des Trottoirs ist und darüber zu verfügen hat, in Leipzig bereits beantwortet. Denn in den nächsten Tagen kommt vor dem Reichsgericht der in den Ferien verhandelte Vorprozeß zum Austrag." <3» Hamburg, 12. November. Das Organ der Hamburg-Altonaer Antisemiten, Golle's „Deutsches Blatt", rechnet scharf mit den Antisemiten ab, welche auf dem sächsischen Parteitage über den allgemeinen Parteitag in Hamburg und den dort von den Freunden des „Deutschen Blattes" vertretenen Ansichten sich — in wenig liebenswürdiger Weise geäußert haben. Zu diesem Zweck citiert Herr Golle auch einen „Zur Abwehr" überschriebenen Artikel der „Deutsch-Sozialen Blätter", in welchem das Verhalten Liebermann's von Sonnenderg bei der sogenannten „Zuchthausvorlage" und bei der Pirnaer Wahl gegenüber den Anzapfungen der Zimrnerman'schen Anhänger gerechtfertigt und die unfreundlichen Aeußerungen der letzteren über den „Deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Verband" und das „Demagogenthum der nordischen Reformer" getadelt werden. Herr Golle thut offenbar den sächsischen Antisemiten unrecht, die im Grunde dem Demagogenthum gar nicht fern stehen und sich nur anders gebärdeten, um die Freunde der „Umsturzvorlage"