Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1899)
- Article
- G. S., Dresden
- Date
- 1899-10-01
- Page
- 565 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefkasten der Redaktion. 685" sich als der Verfasser deS bei dem Wettbewerb der „Frankfurter-Ztg." mit einem Preise von 300 Mark belohnten besten Festgedichts auf Goethe bekannte, erklärt in einer Eulenspiegel-Broschüre, den von seiner überlisteten Frankfurter Gegnerin gestifteten Preis zu einer Gratisversendung antisemitischer Bilderbogen verwenden zu wollen. Den Gedanken hat ihm wahrscheinlich sein bisheriger Brodherr, der Bilderbogen-Fabrikant Glöß eingegeben. Vielleicht kommt, aber Herrn Bewer vor Ausführung dieses Plänchens noch der Gedanke, sein vielseitiges Talent auch weiterhin in Frankfurt a. M. nutzbar zu verwenden. Dort ist, wie er weiß, der Schalk am wenigsten verhaßt! Mcherschau. Gustav Levinstein, Warum die Juden nicht Christen werden können. Antwort auf de'n offenen Brief des Herrn Pa stör Gebhardt. Seit Jahr und Tag kämpft der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in Wort und Schrift mit rücksichtslosen« Eifer gegen den Abfall und die Taufe; er sieht hierin ebenso gefährliche Feinde seiner Bestrebungen wie in dem Antisemitismus und begrüßt deshalb jede Unterstützung mit aufrichtigem Danke. Hierzu fühlt er sich Herrn Gustav Levinstein, Gr.-Lichterfelde, verpflichtet, dem Verfasser der beiden Schriften „Die Taufe" und „Warum die Juden nicht Christen werden können". Auf die erstgenannte Schrift hat Herr Pastor Gebhardt eine Erwiderung veröffentlicht, und dies« hat wiederum zur zweiten Schrift des Herrn G. L. Veranlassung gegeben. Der Verfaffer gliedert seine Antwort in zwei Theile; in dem ersten widerlegt er die Einwände und Angriffe des Herrn Pastor Gebhardt, in dem zweiten giebt er die positiven Gründe dafür an, daß die Juden nicht Christen werden sollen. In beiden Theilen wird der Leser wohlthuend berührt durch die Wärme und die Begeisterung, die aus jedem Satze ihm entgegentritt. Es war für den Verfaffer schwer, ruhig zu bleiben und nicht in scharfe Polemik zu verfallen; man merkt es ihm an, daß er sich redlich bemüht hat, der Verlockung zu widerstehen, und man kann ihm nicht grollen, wenn er im heiligen Feuer der Begeisterung hie und da einmal zu einem Hiebe ausholt, er bleibt auch dann noch vornehm in der Haltung und sicher in der Führung der Waffen.