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Im deutschen Reich · 1899-10-01 · Heft 10 (Oktober 1899) · p. 564

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 10 (Oktober 1899)
Article
O. K., Hamburg
Date
1899-10-01
Page
564 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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564 Im deutschen Reich. am 4. Oktober eine Notiz aus Finkenwärder, wonach die Antisemiten Brüggemann und Raab in einer dort abgehaltenen Versammlung 65 Familienväter veranlaßt haben, sich auf Ehrenwort und Unterschrift zu verpflichten, in einem dort neu zu gründenden jüdischen Waarenhause nicht für einen Pfennig zu kaufen. Auch wurde in der Versammlung angeregt, den Besitzer des von dem Altonaer jüdischen Geschäftsmann gemietheten Hauses, einen christlichen Gastwirth, zu boykottiren. L. N., Nürnberg. Die den H o p f e n h a n d e l betreffende Notiz veranlaßte uns zu Nachfragen an Ort und Stelle. Die uns von vertrauenswerthester Seite ertheilte Auskunft stellen wir hier neben die Notiz der „StaatSbürger-Ztg.", um die tendenziöse Art der antisemitischen Berichterstattung und die Reklame zu illustrieren, welche das Antisemitenblatt bei Änderest als marktschreierisch bezeichnen würde: Staatsbürger-Zeitun g: X Neutomischel, 1. Oktober. Recht erfreulich ist es, wenn man sieht, was für Früchte die Gratisvertheilung der Reden des Grafen Pückler in unserer Gegend gezeitigt hat. Man sieht in der sogenannten Hopfensaison eine auffallend große Anzahl christlich-deutscher Kaufleute die christlichen Produzenten besuchen und den Verkauf des Hopfens abschließen. Den jüdischen Händlern ist plötzlich eine Konkurrenz entstanden, wie sie garnicht geahnt haben. Dem etwas schwerfälligen deutschen Michel wird mit beispiellosem Erfolge entgegengehalten: „Muß es denn ein Jude sein, der das Geschäft macht?" Auch die hier und da ausgelegten und vertheilten Exemplare der „Staatsbürger-Zeitung" werden mit ungeheurem Eifer vergriffen und gelesen, sodaß sich dieselbe hier bald Eingang verschaffen wird! G. S., Dresden. Ihr verehrter Unser Gewährsmann schreibt: X Neutomischel, 6. Oktober. Von jeher handeln in hiesiger Gegend sowohl Christen als Juden mit Hopfen, aber Keiner, der mit hiesigen Verhältnissen vertraut ist, wird bemerkt haben, daß den Juden in diesem Jahre größere Konkurrenz als /früher gemacht wird. Unsere Hopfenproduzenten verkaufen, selbst wenn sie eifrige Antisemiten sind, ihr Produkt dem Juden gern, wenn er ihnen pro Centner 1 Mark mehr als ein Christ zahlt. Daß die „Staatsbürger-Ztg." irgendwelche Verbreitung hier gefunden, ist mir nicht ausgefallen; ich habe in der ganzen Gegend noch fein einziges Exemplar angetroffen. Darüber, daß Pückler-Reden hier vertheilt werden, ist ebenso wenig etwas bekannt geworden. Mitbürger Max Bewer, der

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