Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1899)
- Article
- B. R., Berlin
- Date
- 1899-10-01
- Page
- 563 (sequence 1)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion. 5SS D. N., Berlin. Dir von zahlreichen Blättern abgedruckte Notiz, daß der Gärtner KarlJacobt aus EberSwalde, „der seit längerer Zeit al» Nebenbeschäftigung die Stelle einest Kassierers der dortigen jüdischen Gemeinde inne hatte", 500 Mk>, die er für Rechnung der Gemeinde einkassierte, mit einer Kellnerin in Berlin verjubelt habe, ist nicht ganz zutreffend. Der betreffende Gärtner Wilhelm Jacobi, evangelischer Konfession, war nie« malst Kassierer, sondern nur Kaffenbote der jüdischen Gemeinde zu EberSwalde und hatte eine Kaution von 150 Mk. gestellt. Wie die „Eberswalder Zeitung" berichtet, hat er sich bereit gezeigt, für die Deckung des Defizits aufzukommen, und da der Vorstand sich mit der betreffenden Abmachung vorbehaltlich des Eingangs der Gelder einverstanden erklärte, hat die Polizeiverwaltung von seiner Verhaftung Abstand genommen. F. M. Varmen. Die am 6. Oktober von dem 11. deutschen evangelischen Schulkongreß dort zu Gunsten des konfessionellen Charakters der deutschen öffentlichen Schulen jeder Art gefaßte Resolution kannten wir bereits, und sie hat uns nicht überrascht. Was Herr Prof. Dr. Zange aus Erfurt und die übrigen Herren verlangen: „ein glaubens- und gewissenseiniges Lehrerkollegium", werden sie durch di« Erfüllung ihrer weiteren Forderungen gewiß nicht erlangen, zumal es recht zweifelhaft scheint, ob dies auf irgend eine Weise zu erzielen ist. Die erste- Konsequenz ihrer Forderungen wäre dir Errichtung rein-protestantischer Schulen, und die zweite, ohne welche die Gewissenseinigkeit undenkbar ist, „daß die Wissenschaft umkehren muß!" K. L„ Kassel. Die Versuche, das Ritualmordmärchen zur Neubelebung der antisemitischen Bewegung zu benutzen, haben auf die Gebildeten aller Bekenntniffe den peinlichsten Eindruck gemacht. Dafür zeugt u. a. die einstimmige Annahme der auf dem Orientalisten-Kongreß in Rom vom Kirchenrath Kautzsch eingebrachten Resolution: „Die zum XU. internationalen Kongreß in Rom versammelten Orientalisten erachten es angesichts erneuter Vorgänge für ihre Pflicht, auszusprechen: Die Beschuldigung, daß jemals durch irgend welche für Anhänger der jüdischen Religion geltende Vorschriften die Benutzung von Christenblut für rituelle Zwecke gefordert oder auch nur angedeutet worden wäre, ist schlechthin unsinnig und des ausgehenden 19. Jahrhunderts unwürdig." O. K., Hamburg. Das antisemitische „Deutsche Blatt" brachte 88*