Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1899-10-01 · Heft 10 (Oktober 1899) · p. 562

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 10 (Oktober 1899)
Article
O. M., Berlin
Date
1899-10-01
Page
562 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2316602-2316650-2316660--05921-2324897
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

562 )m deutschen Reich. In Wort aber, d. h. in einem Gedicht, nennt der „Deutsche Michel" daS Urtheil von Renne» ein zweite» Sedan und leistet sich u. a. folgende hetzerische Verse gegen Frankreich: Pcstbeulig Frankreich, naht kein Arzt Dir, Weib, So siecht er hin Dein einst so schöner Leib, Mit Abscheu, Vettel, von Dir weicht die Welt. Kein Bayard lebt, ohn' Furcht und Tadels Held. Bankrottes Frankreich und Du putzest zum Fest Deine Lutetia, aller Laster Nest, Indes; der Lenz des Rechtes Grab umgriint. Fürwahr, Du hast Dein zweit' Sedan verdient. Wahrlich, das Dreyfus-Syndikat darf sich freuen, einen solchen Verbündeten gefunden zu haben." — Wenn ein solches Syndikat existierte, würde es sich wohl für solchen Verbündeten bedanken! D. W-, Berlin. Die sogenannte Witzbeilage der „Staat». bürger-Ztg.", der „Deutsche Michel", brachte am 2. Oktober eine Schilderung der Uebergabe des Forts Chabrol, welche mit den allerdings urkomischen Worten schließt: „So endete da» ergreifende Drama, das sich während der letzten Wochen in dem Fort Chabrol abgespielt, und das dem scheidenden Jahrhundert seinen Stempel aufgedrückt hat. Und noch späte Geschlechter werden singen und sagen von dem Bürgerhelden G u & v i n, der die herrlichste Bürgertugend, die Treue gegen das Vaterland, in so hohem Maße besaß, wie kaum ein anderer. Allmählich stieg der Mond am Himmel Frankreichs empor und überstrahlte mit seinem bleichen, matten Lichte die Stätte, auf die durch Wochen hindurch die Augen der ganzen Welt mit staunender Bewunderung gerichtet waren." — Das ist allerdings zum Uebergeben! — In der Nummer vom 7. Oktober kanzelt übrigens die Redaktion des „Deutschen Michel" den Postassistenten Z-a in Bautzen mit den Worten ab: „Wir zweifeln nicht an Ihren guten Absichten, möchten Ihnen aber nur sagen, daß Nadau-Antisemitismus nie uns're Sache war, nie uns're Sache sein wird. Sie werden wohl selbst zugeben, daß wir mindestens ebensoviel von dem Wesen der jüdischen Gefahr für unser Volkselement verstehen, wie Sie. Und daß wir als überzeugte, aber keineswegs einseitige Antisemiten mindestens ebensoviele Freunde gerade unter den deutsch-sozialen Reformern haben, wie jene Leute, die allüberall den Juden und nur den Juden wittern, dafür könnten wir drei Reichstagsabgeordnete der deutsch-sozialen Resormpartei als Zeugen anrufen. Also nicht zu weit gehen: Allzu straff gespannt, zerspringt der Bogen!"

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.