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Im deutschen Reich · 1899-10-01 · Heft 10 (Oktober 1899) · p. 561

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 10 (Oktober 1899)
Article
H. H. Berlin
Date
1899-10-01
Page
561 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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561 Briefkasten der Redaktion. H. H. Berlin. Der di« „Dezember»Sonntage" betreffende Artikel der „Kreuz-Ztg." macht dafür, daß der „Central-Ausschuß kaufmännischer, gewerblicher und industrieller Vereine" dafür eintritt, daß an sämmtlichen fünf Dezember-Sonntagen dieses Jahres die Angestellten im Handelsgewerbe 10 Stunden lang beschäftigt werden dürfen, die Juden verantwortlich. Das fromme Blatt verdächtigt dabei die angeblichen Vertreter „jüdisch-freisinniger Jntereffen", di« ihnen unbequeme gesetzliche Sonntagsruhe durchlöchern zu wollen und meint, es sei zu hoffen, daß der Polizeipräsident den „jüdischen" Wünschen nicht entsprechen werde. Daß es sich bei dieser Sache keineswegs um „jüdische Wünsche" handelt, hätte der „Kreuz-Zeitung" bekannt sein müffen, ehe die betreffenden Vereine es ihr in einem Schreiben darlegten. Ihr paßt es aber stets in den Kram, wenn nur ein einziger Jude bei einer ihr mißliebigen Sache betheiligt ist, dafür alle Juden verantwortlich zu machen. O. M.» Berlin. Die sogenannte Witzbeilage der „Staatsbürger- Zeitung", „Deutscher Michel", richtet jedenfalls nur sehr geringen Schaden an; sie gilt in gewiffen Antisemitenkreisen sogar schon als „verjudet". In der Offenbacher Zeitungsfabrik des Abg. Hirsche! ist man dieser Meinung, denn in dem dort hergestellten antisemitischen Heidelberger „Volksboten" befand sich am 27. September nachstehende Briefkasten-Notiz: „Ihrer Ansicht über den „Deutschen Michel" sind wir schon lange. Da wird hin und wieder ein Judenbildchen gebracht, um harmlose Antisemiten als Abonnenten zu behalten. Im Uebrigen wird nicht vergeffen, die Verdienste der Herren vom Bunde der Landwirthe zu verherrlichen. Das Höchste aber leistet der gute Michel in seiner neuesten Nummer, wo er offen für DreyfuS eintritt und in Bild und Wort Frankreich und die Franzosen wegen des Urtheils von Rennes beschimpft. Im Bilde läßt der Michel General Mercier mit Dreyfus in Rennes, auf Schweinen reitend, ein Wettrennen veranstalten. Mercier bleibt Sieger und der Michel sagt: So endete das würdigste Tournier; Auf feisten Schiveincn rannten die Parteien. Dem Sieger wußte die Frankonia Justitias Haupt als feilen Preis zu weihen! 38

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