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Im deutschen Reich · 1899-10-01 · Heft 10 (Oktober 1899) · p. 553

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 10 (Oktober 1899)
Article
München
Date
1899-10-01
Page
553 (sequence 2)
Language
German
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Korrespondenzen. 553 Feinden Deutschlands konstatiert werden. Bekanntlich hat sich Wengg nicht gescheut, Glückwunschschreiben des Franzosen Drumont und deS Czechen Jaromir Hufak in öffentlicher Versammlung zu verlesen. Der „stürmische Beifall der Genoffen" zeigte dabei, wie es mit dem Patriotismus dieser Generalpächter des Deutschthums thatsächlich bestellt ist.?? Prag, 18. Oktober. Das jungczechische Blatt „Narodny Lisch", welches offenbar auf eine überraschende Wendung des Kuttenberger ProzeffeS gefaßt ist, läßt seinen Aerger darüber an seinen antisemitischen Gesinnungsgenoffen in Deutschland aus, indem es schreibt: „Als die czechischen Geschworenen in Kuttenberg den Juden Leopold Hilsner wegen Mordes zum Tode durch den Strang verurtheilten, da nannten uns die deutschen Judenfresser sofort geliebte Brüder, Helden der Intelligenz und Wahrheitsliebe, Beschützer der arischen Rasse, und fanden auf einmal, daß die Raffe, die sie früher nur mit einem unreinen Hausthier verglichen, bildschöne Mädchen zeuge. Es genügte die Verurtheilung eines Juden, daß wir in die deutsche Wallhalla ausgenommen werde». Selbstverständlich geizen wir nicht im Geringsten um diese problematische Ehre. Wir konstatieren dies nur aus dem Grunde, damit klar werde, über was für einen schadhaften Fonds politischer Ehre und Konsequenz der deutsche Antisemitismus disponiert." — Par nobile fratrum! Wien, 8. Oktober. Der Vorstand der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde hatte für den gestrigen Abend eine -Versammlung der Gemeindeangehörigen einberufen, um öffentlich gegen die Beschuldigung deS Ritualmords zu protestiren, welche im Kuttenberger Prozeß von dem czechischen Abgeordneten Baxa offen und vom Staatsanwalt verhüllt gegen die Juden im allgemeinen erhoben worden ist. Zu dieser im Musikvereinssaale abgehaltenen Versammlung hatten sich über 2500 Personen eingefunden. Zuerst betheuerte Prediger Dr. Güdemann, daß die jüdischen Religionsschriften zu keiner Zeit auch nur den entferntesten Grund zu Blutbeschuldigungen gegen das Judenthum oder einzelne jüdische Sekten enthalten. Hierauf kritisierte Advokat Dr. S t e g e r das willkürliche tendenziöse Gerichtsverfahren in Kuttenberg und appellierte an die neuen Minister, als österreichische Beamte Gesetz und Recht wieder herzustellen. Schließlich wurde folgende Resolution beschlossen: „Durch die im Kuttenberger Gerichtssaal unverhüllt gegen die jüdische Glaubensgemeinschaft erhobene Blutbeschuldigung wurde unser altehrwürdiger Glaube in seinen Grundlehren beschimpft und unsere Menschenwürde und bürgerliche Ehre besudelt. Im Gefühl tiefster Empörung erheben

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