Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 9 (September 1899)
- Article
- G. R., Berlin
- Date
- 1899-09-01
- Page
- 498 (sequence 2)
- Language
- German
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498 Im deutschen Reich. Nordseebad Borkum gemeldet, daß dort auf Veranlassung deS Amtsvorstehers in Norderney das fernere Spielen resp. Singen deS antisemitischen „Borkumliedes" verboten worden sei. Bei Zuwiderhandlung sei sogar mit dem Staatsanwalt gedroht worden. Dem darüber tief betrübten Redakteur des Antisemitenblattes gewährt es einigen Trost, daß dafür in dem nur 10 Minuten vom Bahnhof Rahnsdorf bei Berlin gelegenen Luftkurort Fichtenau antisemitische Kundgebungen stattgefunden hätten. Der Bericht lautete: „Als am 15. August der Unterricht in allen höheren Schulen begann, mußten verschiedene jüdische Familien der Kinder wegen nach Berlin zurück. Am Sonntag, den 13. d. M., früh, fand man nun in der Hauptstraße und an vielen Bäumen, die am Wege nach dem Bahnhof stehen, folgendes Plakat angeklebt: „Hurrah! Morgen Abzug der Kinder Israels aus unserem christlichen Fichtenau!" Darob gab es unter den deutschen Einwohnern natürlich ein fröhliches Gelächter, in der Judenschaft aber kam der Aerger zu Tage. Von wem die Plakate herrühren, ist nicht heraus gekommen, obwohl eine hochnothpeinliche Untersuchung augestellt worden. Hoffentlich aber hat der Vorgang das Gute, daß die Juden im nächsten Jahre fortbleiben." — Das hoffen wir auch! R. K., Berlin. Sie finden es urkomisch, daß der Abgeordnete Lieber mann v. Sonnenberg in seinen Organen („Antis. Korrespondenz" und „Deutsch-Soziale Blätter") unter der Rubrik ,,Gedenktage berühmter Männer" im August folgende Geburtstage verzeichnen ließ: 18. Adalbert v o n Chamisso, 21. Liebermann von Sonnenberg, 25. Joh. Gottfr. Herder. Der Verfasser so vieler, kühn ersonnener antisemitischer Waschzettel hält sich gewiß für berechtigt, einem Dichter nahe zu stehen, welcher seine alte Waschfrau so rührend besungen und er läßt sich wahrscheinlich neben Herder stellen, weil auch er einst bei einem „Herzog" ergreifende Reden gehalten haben soll. C. G., Köln. Die Erörterung der „Köln. Volkszeitung" über die Heiligung der Feiertage der Juden ist keineswegs als eine antisemitische Kundgebung zu beurtheilen. Zu bedauern ist aber, daß dieselbe ohne weiteres dem christlichen Buchhalter Glauben schenkte, welcher die widersinnige Behauptung aufstellte, daß er von seinem jüdischen Prinzipal in Frankfurt a. M. zum Feiern am Sonnabend und zur Arbeit am Sonntag veranlaßt werde. Derartiges kann bei der strengen Handhabung der Bestimmungen über die Sonntagsruhe kaum Vorkommen. Auch bezüglich des.dortigen Pferdemarktes ist das Blatt ungenügend unterrichtet; wir haben von zuverlässiger Seite er-