Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 8 (August 1899)
- Article
- B. C. Berlin
- Date
- 1899-08-01
- Page
- 441 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion. 441 nicht mit dem genußreichen Norderney konkurrieren kann, als die einzige Zerstreuung, welche Borkum zu bieten vermag. Wer nicht als eingefleischter Antisemit dorthin kommt und solche Zoten allabendlich gröhlen hört, der bekommt sicher btc. Seekrankheit — „der muß (wie das Borkum-Lied richtig sagt) hinaus, der muh hinaus!" Aus diesen Gründen ist ein kürzlich in der „Köln. Ztg." veröffentlichter Vorschlag unausführbar. Derselbe ging dahin, „daß im nächsten Jahr eine größere Anzahl wirklich anständig gesinnter Badegäste Borkum besuchen' möchten, um aus eigener Initiative des Bürgerthums dieser wüsten antisemitischen Agitation ein Ziel zu setzen". — Das Hotel „Satteldüne" auf der Nordseeinsel Amrum rühmt sich ebenfalls, da es sonst wohl nichts weiter zu rühmen haben dürfte, seiner „Judenreinheit". Ein jüdisches Ehepaar aus Hamburg soll dort dadurch, daß man ihm riesengroße Zwiebeln unter die Servietten legte, zum Verlassen des Speisesaals veranlaßt worden sein. — Ein feiner Witz! K. S. Breslau. - Es lohnt wahrlich nicht, dort nach dem angeblich jüdischen „Oberst v o n W e ck w e r t h" zu forschen, von dem die „Staatsbürger-Ztg." eine von Gemeinheiten strotzende Karte erhalten haben will. Völlig unglaublich ist auch, daß die an die „Staatsbürger-Ztg." aus dem Hotel Berringer in Warn e m ü n d e abgesandte abscheuliche Postkarte von jüdischen Badegästen ausging. Die in unserm Archiv befindliche Kollektion anonymer Postkarten beweist, daß solche Zusendungen „Bubenstücke" sind, welche „die Antisemiten in ihrer Eigenart kennzeichnen." C. K. Krefeld. Die der „Rhein. Volksftimme" nachgedruckte Notiz der „Deutschen Zeitung" des Herrn Jakob Jöken ist insofern tendenziös, als sie den wegen des § 176III des Strafgesetzbuches gedachten Verbrechens mit 8 Monaten Gefängniß bestraften russischen Schnorrer Tischben, der sich selbst als „Schreiber" (Sofer) auswies, zu einem „Rabbiner" macht. Die dabei erfolgte Absicht liegt klar auf der Hand. D. L. Krefeld. Das in der Jökenschen „Deutschen Zeitung" vom 27. Juni veröffentlichte Gedicht „Neues aus Israel" ist eine so wunderbare Leistung des poetischen „Artur mit der Haartour", daß wir es uns nicht versagen können, die ersten beiden Strophen hier abzudrucken: Deutschland, Deutschland über Alles, Ueber Alles in der Welt, Jag' die Juden aus dem Lande, Gerb' gehörig sie (!) das Fell.