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Im deutschen Reich · 1899-08-01 · Heft 8 (August 1899) · p. 439

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 8 (August 1899)
Article
O. R., Berlin
Date
1899-08-01
Page
439 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Briefkasten der Redaktion. LSS „Dreyfus ist nur verurtheilt worden, weil er. Jude war", wofür, beiläufig bemerkt, nie der Beweis erbracht wurde. Erst dadurch ist dem Fall die Bedeutung einer Prinzrpienfrage gegeben worden, denn an sich beweist die Schuld oder Unschuld des Dreyfus nichts für oder gegen den Antisemitismus, denn Dreyfus ist ein einzelner Mensch, kein'Vertreter einer Rasse, für dessen Fehler sie in ihrer Gesammtheit verantwortlich zu machen i st. (Nun mit einem Male, weil es so paßt, verwirft die „Kreuz-Ztg." das'von ihr bisher mit Vorliebe geübte Generalisieren!) Die goldene Internationale aber hat mit aller Macht ihrer Presse sich des Falles bemächtigt, um den Trugschluß verbreiten zu können: „Dreyfus ist unschuldig, folglich sind alle Angriffe der Antisemiten unberechtigt." Solche Trugschlüsse aber haben die Eigenschaft des zweischneidigen Schwertes: „Cornelius Herz, Baron Reinach, Aaron, gen. Arton, Hebrard u. s. w. waren böse Panamisten, folglich sind alle Juden Wucherer, Schwindler, Trinkgeld-Geber und -Empfänger!" Wäre das kein sehr ungerechter Schluß —?" — Solche ungerechten Schlüsse ließen sich wahrlich dem frommen Blatt massenhaft Nachweisen. D. G., Berlin. Das von Vergani redigierte „Deutsche Volksblatt", das wegen der über den „Mädchenmord zu Polna" verbreiteten Hetzmärchen in Wien beschlagnahmt wurde, bildet eine wahre Fundgrube für deutsche Antisemiten, welche diese längst widerlegten Hetzmärchen theils in ihren Organen wortgetreu abdrucken, Lheils als Flugblätter verbreiten. Als weitere böswillige Verleumdungen kennzeichnete daS „Wiener Tagblatt" am 5. Juli zwei Berichte, welche Vergani's „Deutsches Volksblatt" angeblich aus Lemberg erhalten hatte. Nach dem einen Bericht hätten dort Juden auf einen katholischen Leichenzug Steine geworfen, in dem andern wurde eine angeblich in der Alembeckgasse Nr. 16 in Lemberg wohnende jüdische Familie Steinbach beschuldigt, „einen auf dem Versehgang befindlichen" katholischen Geistlichen begossen und sich an den zu ihrer Verhaftung entsandten Polizeiagenten vergriffen zu haben. Hierzu bemerkte das „Wiener Tageblatt": „Diese beiden empörenden Geschichten wurden dem „Deutschen Volksblati" nicht aus Lemberg geschrieben, sondern sie find aus dem kongenialen „Dziennik Polski" herausgeschnitten, der seinem Abonnentenschwund durch erfundene Sensationen Einhalt zu gebieten versucht. Die Lügen traten mit solcher Sicherheit auf und insbesondere verblüffte die zweite durch die Namensnennung, so daß der „Slowo Polskie" sich verleiten ließ, die Geschichte nachzudrucken. In einer seiner letzten Nummern schreibt er nun: „Gestützt auf die „untrügliche" Information des „Dziennik Pols!'." 29*

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