Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1899-08-01 · Heft 8 (August 1899) · p. 435

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 8 (August 1899)
Article
London
Date
1899-08-01
Page
435 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2316602-2316650-2316658--05658-2324577
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Korrespondenzen. 435 barmherzig ist." Diese Worte rührten mich sehr, da sie mir zeigten, wie Christen und Juden sich nähern können, und ließen mein Herz höher schlagen. Diese That ist wohl nicht würdiger zum Ausdruck gebracht worden als in dem Wirken des Mannes, dem ich heute einige Worte der Anerkennung zu sagen die Ehre hatte." O Petersburg, 1. August. Die Firmenschilder der jüdischen Geschäftsleute mußten auf Verordnung des früheren Stadthauptmanns General Gresser den Vornamen und Familiennamen der Magazininhaber aufweisen. Wie der St. Petersburger „Herold" hat sich der Senat durch eine dagegen von dem Kaufmann Kibalski anhängig gemachte Klage bewogen gefühlt, diese Verfügung als ungesetzlich zu bezeichnen und deshalb aufzuheben. Johannesburg, Transvaal, 1. Juli. Die hier erscheinende Zeitschrift ,.The Standard and Diggers News“ bringt den Wortlaut einer bemerkenswerthen Ansprache, welche der Richter Kock am 20. v. M. bei einem jüdischen Familienfeste gehalten hat. Richter Kock sagte danach u. a.: „Unsere Verfassung, welche Juden von der gesetzgeberischen Stellung ausschließt, wurde erlassen, als uns das Wesen der Juden noch völlig fremd war und wir allen Fremden mißtrauisch gegenüber standen. Ich kann versichern, daß unsere Meinung seitdem eine andere geworden ist und die meisten von uns davon fest überzeugt sind, daß die Juden sehr annehmbare Mitarbeiter in unseren leitenden Körperschaftten sein würden. Wir haben eine so ganz andere Meinung gewonnen, daß sicher der Tag nicht mehr fern ist, wo Sie in diesem Staate allen andern Bürgern völlig gleich gestellt werden. Wenn ich für mich persönlich sprechen darf, muß ich sagen» daß meine besten Freunde in Johannesburg Juden sind. Ich habe die glücklichsten Momente meines Lebens in jüdischen Vereinigungen, wie die heutige ist, verlebt. Der gastfreundliche Sinn des Boeren ist nur mit dem des Juden zu vergleichen. Deshalb hoffe ich aufrichtig, daß wir uns nicht nur bald als gesellschaftlich Gleichgestellte begegnen werden, sondern daß eines Tages auch die von mir jetzt eingenommene staatliche Stellung im Besitze 'eines Mannes Ihrer Abstammung sein wird." (Leider haben sich diese Erwartungen nicht erfüllt, da der „Volksraad" den Antrag des Präsidenten Krüger aus Beseitigung der Beschränkungen der politischen Rechte der Katholiken und Juden kürzlich mit 16 gegen 12 Stimmen abgelehnt hat.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.