Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1899-08-01 · Heft 8 (August 1899) · p. 434

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 8 (August 1899)
Article
Wien
Date
1899-08-01
Page
434 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2316602-2316650-2316658--05653-2324576
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

434 Im deutschen Reich Präsident und der Staatsanwalt alle Angeklagten, ob sie wirklich glaubten, der Fremde wolle den Kindern Blut nehmen. .Alle antworteten: „Freilich glauben wir's! Alle wissen das! Solches ist schon oft vorgekommen!" Zwei der Angeklagten leugneten jede Schuld; elf bekannten sie. Diese wurden zu je einem Monat Gefängniß verurtheilt. Für Rousseau haben die Zeitungen gesammelt; er verließ Wien mit 500 Gulden. Zufolge der neueren Entscheidung des Obersten Gerichtshofes, wonach die Annahme des Grazer Obergerichts, daß Verjährung eingetreten sei, auf Jrrthum beruhe, hat die Staatsanwaltschaft zu Graz die Seidl'sche Hetzschrift: „Der Jude des 19. Jahrhunderts" wiederum beschlagnahmt. £ Rom, 11. August. Der Generallieutenant Ottolenghi hat jetzt Generalsrang erhalten und damit die höchste Charge in der italienischen Armee erreicht. K London, 2. August. Dr. W. M. H a f f k i n e, der berühmte Mitarbeiter Pasteur's und glückliche Bekämpfer der indischen Beulenpeft, war kürzlich Gast des Londoner Klubs der „Maccabäer", wo ihm Lord I o s e f L i st e r, der Begründer der segensreichen Lister'schen Wundbehandlung, einen Trinkspruch widmete. Lord Lister sagte dabei wörtlich: „Mr. Haffkine hat sich um Indien große Verdienste erworben und dadurch Britannien sich verpflichtet. Während wir auf der einen Seite seine hervorragenden Geisteskräfte bewundern, müssen wir andererseits auch seinem Charakter gerecht werden. Die Selbstverleugnung, mit welcher er jahrelang sein Leben den Gefahren aussetzte, gegen die Pest mit Selbstaufopferung kämpfte, ist einfach heroisch. Es giebt einige, die ihm seine Befähigung, seinen Erfolg absprechen wollen, weil er Jude ist. Ich bin glücklich, sagen zu können, daß so unedle Beweggründe in diesem Lande nicht existieren. Wir sympathisieren mit Dreyfus und freuen uns mit Ihnen bei der Aussicht seiner baldigen Befreiung, als ob er einer der Unsrigen wäre. Wir erinnern uns, daß wir einen Premierminister hatten, welcher von reinem jüdischen Blut abstammte (Disraeli), und wir beklagen noch den Tod eines der größten Advokaten, welcher ebenfalls Jude war. ES giebt nichts Verächtlicheres als den Haß gegen die jüdische Rasse, und der Christ schuldet alles, was er verehrt, alle seine Hoffnungen, alles, was er hochhält, ihnen. Ich war betroffen, beim Lesen einer mir vom Chief Rabbi übermittelten Predigt dieselben Worte wiederzusinden, welche auch wir Christen Hochhalten: „Seid barmherzig, .wie Euer himmlischer Vater

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.