Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 8 (August 1899)
- Article
- Worms
- Date
- 1899-08-01
- Page
- 433 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316650-2316658--05648-2324575- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Korrespondenzen. 43$ Kit, „ihrer Mißbilligung darüber Ausdruck zu geben, daß der deutschnationale Verband junger Kaufleute den Versuch macht, di« friedlichen Beziehungen in hiesigen kaufmännischen Kreisen dadurch zu stören, daß man in Bezug auf deutsch-national Unterscheidungen betont, welche in hiesiger Stadt nur abgelehnt werden. Die großherzogliche Handelskammer hegt das Vertrauen, daß die Wormser ungen Kiufleute ihren davon betroffenen Mitbürgern den Schutz gewähren werden, welcher den langjährigen Traditionen der Wormser Bürgerschaft entspricht." Karlsruhe i. SB., 10. August. Die norddeutschen Antisemiten-Blätter, welche neuerdings berichteten, Rechtsanwalt Veit, selbst ein Jude, habe in Offenburg i. B. als Vertheidiger vor Gericht erklärt, daß der Ausdruck „Stinkjud" für einen Juden beine Beleidigung sei, haben damit eine längst widerlegte falsche Behauptung wiederholt. Der Landmann Serrer, der von einem Handelsmann wegen des Ausdrucks „Jud" verklagt wurde, ist von dem Offenburger Gericht freigesprochen worden, weil das letztere annahm, daß der erwähnte Ausdruck unter Umständen beleidigend sein könne, daß aber in dem vorliegenden Falle die Absicht der Beleidigung nicht nachweisbar sei. Die süddeutschen ultramontanen Blätter, welche fälschlich die obenerwähnte Aeußerung dem Rechtsanwalt Veit zuschrieben, wurden von letzterem bereits im Juni d. I. veranlaßt, ihre Angabe öffentlich zu widerrufen. Daß trotzdem die „Staatsbürger- Ztg." am 1. August die falsche Notiz wiederuuffrischte, die „Sachsenschau" und der „General-Anzeiger" u. a. m. dieselbe nachdruckten, das ist — echt antisemitisch! Hch Wien, 2. August. Vor einigen Wochen wurde auf der Reichsstraße nahe bei Wien der auf der Wanderschaft befindliche französische Arbeiter Valentin Rousseau von mehreren Ziegelarbeitern überfallen und in unmenschlicher Weis« mißhandelt. Die Veranlassung des Gewaltstreichs bildete, wie das „N. Wiener Tagbl." hervorhebt, die in letzter Zeit systematisch betriebene Verbreitung des BlutmärchenS, in deren Folge die Kinder der Ziegelarbeiter beim Anblicke des fremden, dunkelbärtigen Mannes schrieen: „Das ist der Jude, der uns schlachten, der unser Blut nehmen will!" Die Kinder riefen es, und die Erwachsenen eilten auf den Fremden zu, schlugen ihn mit Stöcken, ohrfeigten ihn, riffen ihn zu Boden, traten ihn mit den Füßen, zerbrachen ihre Tabakspfeifen an dem Kopfe des gegen die Uebermacht Wehrlosen und ließen ihn schwer verletzt liegen. Dieser Tage fand die Verhandlung gegen dreizehn Ziegelarbeiter, darunter 10 czechischestatt. Im Laufe der Verhandlung fragten der