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Im deutschen Reich · 1899-08-01 · Heft 8 (August 1899) · p. 431

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 8 (August 1899)
Article
Hamburg
Date
1899-08-01
Page
431 (sequence 2)
Language
German
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Korrespondenzen. 431 sollte, daß sie bei einem Monatsgehalt von 40 Mk. ohne Kost und LogiS nicht anders Hab« existieren können. Am 29. Juli d. I. sah sich daS „Deutsche Blatt" durch den Hinweis auf § 11 des PreßgesetzeS gezwungen, folgende Berichtigung zum Abdruck zu bringen: „Die ganze Mittheilung ist erfunden. Wir haben in Köln niemals einen Mechaniker Namens Alexander Schmidt beschäftigt. Wir haben dort auch keine jüdische Verkäuferin. Es ist unwahr, daß wir in Köln eine Verkäuferin beschäftigen oder beschäftigt haben, welche nur 40 Mk. monatlich ohne Kost und Logis erhält. Unser Geschäftshaus hat gar kein Hintergebäude. Von dem ganzen Vorfall ist uns nicht das Geringste bekannt und die von uns angestellten Nachforschungen haben nichts darüber ergeben. Achtungsvoll Singer Co. Nähmaschinen Act.-Ges." Dresden. 19. August. Daß die antisemitische Reformpartei es trotz ihres offenbaren Niederganges nicht unterlaffen kann, die Behörden zu terorrisieren, ist nicht eben wunderbar; trotzdem dürfte es überraschen, daß der ehemalige Abg. Zimmermann den jetzigen Zeitpunkt für geeignet erachtet, in der „Deutschen Wacht" den Oberbürgermeister Beutler heftig anzugreifen, weil das amtliche Organ des Magistrats, der „Dresdner Anzeiger", über den Dreyfus-Prozeß in objektiver Weise berichtet. Zimmermann schreibt: „In letzterer Linie steht das städtische Organ doch unter Censur oder Chefredaktion der städtischen Spitzen! Macht sich da der alteingefressene Judenliberalismus wieder geltend? Dann sollte der Herr Oberbürgermei st e r mit einem tzrws ego! dazwischen fahren. Oder ist der Herr Oberbürgermeister einverstanden, bezw. gar selbst die leitende Macht, der Spiritus rector für diese Dreyfüselei? Was sollen die Anhänger der Reformpartei sagen? Sollen sie sich schweigend Beschimpfungen ihrer antisemitischen Ueöerzeugung von dem aus Stiftungsmitteln erhaltenen Stadtblatt bieten lassen?? Partei ergriffen hat der Herr Oberbürgermeister ja schon bei der letzten Reichstagswahl, indem er seine Unterschrift zum Wahlaufruf des konservativen Kandidaten gab und veröffentlichen ließ, jedenfalls ein weites Heraustreten aus der, ihm durch sein Amt vorgeschriebenen Unparteilichkeit. Er hat damit — wir nehmen an wider besseres Wissen und Wollen — den Sieg der Sozialdemokratie gefördert. Keine Verschleierungen mehr, sondern die Wahrheit — erst über unsere Dresdner Zustände, dann, wenn überhaupt möglich, über Dreyfus. Wer also verantwortet die Lästerungen des Antisemitismus durch den „Dresdner Anzeiger"?" — Herr Oberbürgermeister Beutler wird sich hoffentlich durch diese kecke Sprache nicht in's Bockshorn treiben laffen!

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