Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1899)
- Article
- K. M. Berlin
- Date
- 1899-05-01
- Page
- 300 (sequence 2)
- Language
- German
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300 Im deutschen Reich. doch häufig so, daß fie bei einiger Feinfühligkeit sich tief unglücklich fühlen müssen. L. L. Berlin. Wenn Sie die „antisemitische Moral" richtig taxieren wollen, dann brauchen Sie nur zu beobachten, mit welcher Befriedigung die antisemitischen Blätter jedes gegen Juden verübte Verbrechen registrieren und welches zarte Mitgefühl sie dabei für die Mörder bekunden. Di«am 20.April inNowosieSjSkie an der russischen Grenze erfolgte Ermordung des jüdischen Händlers Herz» Baltuch und seiner greisen Mutter durch drei vermummte Verbrecher veranlaßte das Wiener „Deutsche Volksblatt" zu der auch von deutschen Antisemitenblättern wörtlich wiedergegebenen Bemerkung: „Dermuthlich liegt ein Racheakt seitens einiger Opfer des jüdischen Wucherers vor." — Die armen vermummten Opfer! N. C. Berlin. Das Bartfch'sche Ehepaar, welches im Mär; d. I. an die Wände des kahl gepfändeten Ladens in einem Eckhause der Bredowstraße verschiedene Beleidigungen des jüdischen HauSwirthes schrieb, wodurch das Lokal für zahllose Passanten zum Gegenstände der Neugierde wurde, hatte sich am 15. Mai vor dem Amtsgericht wegen Sachbeschädigung und öffentlicher Beleidigung zu verantworten. Der Gerichtshof nahm an, daß die Mehlhändlerin Bartsch im Aufträge ihres Ehemannes gehandelt habe, der zu 50 Mark Geldstrafe verurtheilt wurde, während die Frau mit 10 Mark Geldstrafe davon kanr. R. A. Friedeberg. Daß der Inhaber des dortigen „christlichdeutschen Gasthauses ersten Ranges, „die Post", welcher in AhlwardtS „Deutschem Schwert" sein Haus „allen Frei- und Treudeutschen als Heimstätte noch besonders empfohlen hält, R o s e nf e l d heißt, war uns bekannt. Daß es noch mehr solche „Frei- und Treudeutsche" giebt, geht aus nachfolgender Briefkasten-Notiz der hiesigen Zeitschrift „Die Welt am Montag" hervor: I. H. Wir würden es für unrecht halten, wenn wir Ihre vom deutschen wie vom „christlichen" Standpunkt aus gleich bedeutsamen Ausführungen auf einer stillen Postkarte verdorren ließen, und geben daher Ihre Zuschrift vollinhaltlich wieder: „Die „Welt am Montag" ist ja sonst ein ganz dreckiges Judenblatt und ihre Redaktion verdiente täglich 25 gehörige Knutenhiebe, weil sie alles mit Dreck beschmutzt, was deutsch fühlt und handelt, aber heute muß ich ihr doch meine Anerkennung aussprechen und zwar in Folge des Artikels in letzter Nummer: „Brauchen wir einen Staatsanwalt?" Richtig wäre es in solchen Fällen, wenn der Staatsanwalt trotz gegenseitiger Beweisaufnahme seine Anklage aufrecht erhält, daß er wegen wissentlich falscher Anschuldigung seinerseits vor Gericht gestellt würde! Ergebenst I. Herzberg (Christ!)".