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Im deutschen Reich · 1899-05-01 · Heft 5 (Mai 1899) · p. 299

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 5 (Mai 1899)
Article
D. G. Berlin
Date
1899-05-01
Page
299 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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299 Briefkasten der Redaktion. D. G. Berlin. Die Notiz der „Deutschen Tageszeitung" mit der possenhaften Ueberschrift: „Herr Cohn als Vater» landsvertheidiger" wird bei Niemandem Zweifel an der Tüchtigkeit jüdischer Soldaten erwecken. Der Prozentsatz der jüdischen Fahnenflüchtigen erscheint als ein verhältnißmäßig unbedeutender, wenn man besonders die Thatsache berücksichtigt, daß die antisemitisch« Erschwerung aller Erwerbsverhältnisse und die für Juden besonders große Schwierigkeit der Beförderung im Heeresdienste manchen jüdischen ■ jungen Mann zur Auswanderung veranlaßt. K. M. Berlin. Wenn Sie sich über den Austritt Ihres Verwandten aus dem Judenthum trösten wollen, dann, lesen Sie nur antisemitische Blätter. Vielleicht überkommt Sie dann ein Gefühl des Mitleids mit manchem Frischgetauften. Von ihren früheren Glaubensgenossen verachtet, stoßen sie 'auf dieselbe Verachtung bei ihren neuen Glaubensgenossen; außerdem erfahren sehr häufig diejenigen, die bei ihrem Uebertritt die Erleichterung des Erwerbs bezweckten, daß dieser Zweck doch nicht erreicht wird. Am 4. Mai theilte z. B. die „Staatsbürger-Ztg." folgenden Vorgang mit: „Vor einigen Tagen läßt fich bei einem Hauseigenthümer in Schöneberg in der Goltzstraße ein Mann melden. Auf die Frage, was er denn wünsche, erklärt er dem Dienstmädchen, er müsse Herrn N. persönlich sprechen. Auf dem Flur empfangen, erklärte der Zudringliche, er könne fein Anliegen hier nicht Vorbringen, er komme „von der heiligen Geistlichkei t". Darauf wurde der Mann in's Zimmer geführt, und dort bekam der erstaunte Hausbesitzer die in jüdischem Jargon gesprochenen Worte zu hören: „Erlauben Sie, ich komme von der heiligen Geistlichkeit; können Sie nicht gebrauchen 'ne Prachtbibel mit Illustrationen, neueste Ausgabe? Sie bekommen sie ganz billig — unter'm Kostenpreis." Der Hauswirth war starr über diese Zudringlichkeit des Juden, dem natürlich energisch die Thür gewiesen wurde." — Es gehört wenig Kombination dazu, sich den Vorgang so zu erklären, daß der „Beauftragte der heiligen Geistlichkeit" cin getaufter armer Kolporteur jüdischer Abstammung war, der bei seinem mühseligen Geschäft so üble Behandlung erfuhr. Den Konvertiten aus begüterten Kreisen weist man zwar nicht so energisch die Thür, aber man behandelt sie

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