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Im deutschen Reich · 1899-05-01 · Heft 5 (Mai 1899) · p. 293

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 5 (Mai 1899)
Article
Karlsruhe [Nachricht]
Date
1899-05-01
Page
293 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Korrespondenzen. 298 ratheS, Medizinalrath Dr. Albert Seeligmann, hier am 18. April d. I. gestorben. Der Heimgang des beliebten Arztes und um viele jüdischen Angelegenheiten verdienten Mannes wird in weiten Kreisen betrauert. L Weimar, 2. Mai. Nach dem „Friedeberger Kreisblatt" hat am 7. v. Mts. der Gastwirth B o d e ck in Friedeberg mit den Erfolgen seines Schwiegervaters auf seiner letzten Vortragsreise arg renommiert. In Weimar wäre der ganze Hofstaat außer dem Herzog in der Versammlung Ahlwardt's gewesen, und hätten die Herren Grafen Soundso Ahlwardt die Hand gedrückt und gesagt, die Vorstellung von seiner Person, welche sie durch die Presie erhalten hätten, wäre doch eine ganz andere gewesen und sie freuten sich über seine guten Ideen. Hier weiß davon Niemand; der ganze Hofstaat war ganz sicher nicht in der Versammlung, die in der „Weimarer Zeitung" weder angekündigt war, noch später erwähnt wurde. Herr - Bodeck dürfte irrthümlich einen einzelnen untergeordneten Hofbeamten für einen „Grafen Soundso" gehalten haben. In den Kreisen, deren angeblicher Huld sich Ahlwardt rühmt, ist hier bisher keine Neigung für seine „guten Ideen" zu spüren gewesen. Als die antisemitische Partei im Eisenacher Kreise eine agitatorische Thätigkeit entwickelte, schrieb s. Zt. die „Weim. Ztg.": „Angesichts des Vorgehens dieser Partei ist darauf hinzuwiesen, daß der Antisemitismus, der auf die Entflammung der Volksleidenschaften durch eine Verschärfung der Rassen- und Klassengegensätze gerichtet ist, eines der unerfreulichsten Kennzeichen unserer Zeit ist." Qj Wien, 2. Mai. Die bereits vor längerer Zeit in der Verlagsbuchhandlung „Styria" in Graz erschienene, von I. Seidl verfaßte antisemitische Hetzschrift: „Der Jude des 19. Jahrhunderts oder warum sind wir Antisemiten?" wurde, leider erst nachdem bereits 6000 Exemplare von dieser Broschüre abgesetzt waren, am 28. April beschlagnahmt. Der Spediteur Joseph Otto hatte sich dieser Tage vor dem Bezirksgericht in Graz wegen wörtlicher und thätlicher Beleidigung jüdischer Studenten zu verantworten, mit welchen er am 11. Februar d. I. in der Airoler Weinstube in Streit gerathen war. Vor dem Richter brzeichnete sich Otto als „Antisemit von Ruf" und erklärte, daß die Studenten ihn provoziert hätten. Sämmtliche Zeugen sagten aber übereinstimmend aus, daß sich die Studenten vollkommen ruhig und anständig verhalten hätten. Der Richter verurtheilte den Angeklagten daraufhin zu einer Geldstrafe von 200 fl., eventuell zu vierzehntägigem Arrest.

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