Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1899)
- Article
- München
- Date
- 1899-05-01
- Page
- 292 (sequence 2)
- Language
- German
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292 3m deutschen Reich. einem halbwüchsigen Mädchen im Leichenhause des Salzburger Central« friedhofeS verübten Mord, der thatfächlich gerichtlich als „Lustmord" qualifiziert wurde. Das „Traunsteiner Amtsblatt" ließ sich aber aus Salzburg berichten, es sei kein Zweifel, daß der Mord im Leichenhause ein jüdischer Ritualmord sei. Die Leiche des Opfers weise den regulären Schächterschnitt auf, und man habe zu der kritischen Zeit auf dem Friedhof einen Juden mit einem Talmud (!) gesehen. Beigefügt wird, es lasse tief blicken, daß der deutsche Reichstag sich noch nicht zum Verbot des Schächtens habe aufschwingen können. Was sich die Redaktion des „Trauensteiner Amtsblattes" unter dem „Talmud" vorstellt, ist einigermaßen räthselhaft; noch räthselhafter ist es, daß sich ein bayerisches Amtsblatt dazu hergiebt, die Erfindungen der Wiener Hetzer zu verbreiten und in der angegebenen Weise zu verwerthen. X Nürnberg, 1. Mai. Bei der am 23. v. Mts. hier stattgehabten Grundsteinlegung für die neue katholische Herz-Jesukirche hielt der Erzbischof Dr. von Schork eine Ansprache, die tiefen Eindruck machte. Mit Anerkennung hob er hervor, daß die Spenden zum Bau der Kirche von Angehörigen aller Konfessionen geflossen seien. Man spreche in unseren Tagen oft von Toleranz; ihm genüge aber nicht Toleranz, denn der Ausdruck Toleranz leite sich von dem Worte tolerare ab, welches mit „ertragen" gleichbedeutend sei. Der Katholik solle aber die Nichtkatholiken nicht als ein Uebel betrachten, das zu ertragen sei, er solle auch dem Nichtkatholiken die Liebe, die jedem Nächsten zu bezeigen sei, entgegenbringen. Bei der Feierlichkeit waren drei protestantische Geistliche, sowie Rabbiner Dr. Ziemlich und als Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Jusiizrath Josephthal als geladene Festgäste anwesend. — Vor Kurzem verstarb hier ein wackerer jüdischer Veteran, Nathan Bergmann, welcher den Feldzug 1870 bei dem 9. bayerischen Infanterie-Regiment mitgemacht und wegen seiner vor dem Feinde bewiesenen Tapferkeit zum Oberlieutenant befördert worden war. Vi.le Landwehr-Offiziere sowie der Veteranen- und Kampfgenossenverein nahmen an dem Leichenbegängniß theil. X Würzburg. 3. Mai. Die heutige Ergänzungswahl zur Handelskammer ergab eine große Mehrheit für die Liste des Handelsvereins und des Detailistenverbandes gegen eine antisemitische L i st e. O Karlsruhe, 2. Mai. Im Alter von 61 Jahren ist ein hochgeachtetes Mitglied des Central-Vereins, der erste Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde und Mitglied des großherzoglichen Ober-