Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1899)
- Article
- Hagen
- Date
- 1899-05-01
- Page
- 289 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 289 nehmen. ES sei interessant zu erfahren, ob der Verein auch Mische Volksschüler im Schwimmen ausbilden würde. Dies veranlaßt« den Vorstand des Schwimmvereins zu der öffentlichen Erkärung, daß weder durch die Statuten noch durch einen Beschluß achtbare Juden von der Mitgliedschaft ausgeschloffen seien, daß er überhaupt weder Klaffennoch Religionshaß auf sein Panier geschrieben habe. Wenn zwei Juden bei der Ballotage durchgefallen seien, könne man dies nur als deren persönliches Pech betrachten. Daß auch würdigen und bedürftigen jüdischen Volksschülern, falls sich solche melden sollten, je nach dem Prozentsatz der Bevölkerung Schwimmunterricht ertheilr würde, sei nicht ausgeschlossen. Die Erklärung, in welcher das Eingesandt als „böswillige Insinuation" bezeichnet wurde, schloß mit den Worten: „Schließlich sei bemerkt, daß derartige anonyme „Eingesandts" nicht geeignet sind, im S.-V. H. besondere Sympathien für die Juden zu erwecken." In einem zweiten „Eingesandt" erfolgte darauf eine Erwiderung/ in der gesagt wurde: „Mit großer Befriedigung habe ich Kenntniß davon genommen, daß der Schwimmverein keinen Mitbürger seines religiösen Bekenntnisses wegen von 'der Mitgliedschaft grundsätzlich ausschließt. In weiteren Kreisen der Bürgerschaft war man anderer Ansicht. Wenn der Vorstand des S.-V. H. ausdrücklich betont, daß sich im ganzen nur zwei Juden gemeldet hätten (mir waren mehr genannt), so darf ihn das nicht wundern, denn wer riskiert gern zurückgewiesen zu werden? Wie nun aus dem „Eingesandt" hervorgeht, war es nur „persönliches Pech" der beiden Herren, daß sie nicht ausgenommen wurden, also Zufall, und der spielt oft wunderlich. — Von einer „böswilligen Insinuation" kann absolut keine Rede sein, höchstens von einer irrigen Ansicht, und es dürfte den S.-V. doch nur freuen, daß er Gelegenheit hatte, diese zu berichtigen. Geradezu in Erstaunen gesetzt hat mich der Schlußsatz des „Eingesandts" in Nr. 77 dieser Zeitung. Gebildete, logisch und gerecht denkende Menschen pflegen ihre Sympathien oder Antipathien stets nur auf Einzelne, aber nie auf eine Gesammtheit, die sich aus den verschiedensten Individuen zusammensetzt, zu übertragen. Ich begreife nicht, was die jüdischen Bürger in ihrer Gesammtheit mit dem „Eingesandt" eines Einzelnen, dessen Namen übrigens dem Vorstande des S.-V. H. gern zur Verfügung steht, zu thun haben." chsi Wiesbaden, 6. Mai. Vor der Strafkammer stand hier gestern unter der Anklage der Beleidigung der Rentner Oswald T s ch a ch e r, der sich s. Zt. als Führer der hiesigen, längst im Sande verlaufenen, antisemitischen Bewegung bekannt gemacht hat.