Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1899)
- Article
- Ein verkanntes Proletariat
- Date
- 1899-05-01
- Page
- 268 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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208 .cietuf. 3 sh. 3 d. bezahlt wurde, erhält er jetzt nur noch 1 sb. 6 d. bis 2 sb. 3 d.;18) für die Anfertigung eines Mantels, für den der Arbeiter vor einigen Jahren 8 sb. bekam, wird jetzt nur 4 sb. 6 6. bezahlt. Eine Arbeiterin macht eine vollständige Weste für 5 d. und kann an einem Tage vier Herstellen.") Für ein Paar Beinkleider werden 1 sb. 1 ä. bis 1 sb. 3 6.. bezahlt.") Ein „Presser" kann 7 sb. täglich verdienen bei sechszehnstündiger Arbeitszeit.") Die „Buttonholers" (Knopflochnäher), im allgemeinen Frauen, können bei 12 Stunden täglicher Arbeitszeit 10 bis 12 sh. die Woche verdienen. Arnold White hat einen Rock gezeigt, der mit 7^ 6. bezahlt worden war, davon konnte ein Arbeiter bei löstündigem Arbeitstage 4, Herstellen, also 2 sh. 6 d. pro Tag verdienen. Von diesem Betrage sind aber noch 3 d. für die Herstellung der Knöpfe und 4 d. für den Zubehör abzurechnen.17) Manche Frauen können trotz 12stündiger täglicher Arbeitszeit nur 1 bis 2 sb. 6 d. pro Tag verdienen. Die vorstehenden wenigen Ziffern geben bereits eine hinreichende Vorstellung von den Löhnen, welche die Konfektions- Arbeiter erhalten. Im Mai 1891 brach ein großer Schneiderstreik im East-End aus, an dem sich etwa 5000 Juden betheiligten. Die Ausständigen forderten Herabsetzung der Zimmerarbeitszeit und gesunde Werkstätten. Es fanden große Demonstrationen statt; die Arbeiter zogen durch die Straßen mit Zetteln, die die Aufschrift: „Nieder mit dem Sweating" trugen. Die Arbeitgeber bewilligten sofort eine Arbeitszeit von 8 Uhr Morgens bis 8 Uhr Abends; allein die Arbeiter forderten eine schriftliche Verpflichtung seitens der Unternehmer, woraus diese einzugehen sich weigerten. Die Arbeiter verlangten weiter Aufhebung der „Overtime" (Ueberstunden), was gleichfalls von den Arbeitgebern abgelehnt wurde. Der Kampf dauerte 3 Wochen, schließlich wurde eine Einigung zwischen beiden Parteien erzielt, die tägliche Arbeitszeit wurde auf 12 Stunden festgesetzt, doch blieb die „Overtime" bestehen. Aber kaum war der Streik beendet, so trat wieder der alte Zustand ein. Die Arbeiter kehrten zu den Unternehmern *3) Fifth Report, S. 105. 14j Ebenda. 15) Reports on the Volume, CS- *111. ,6) Report of the Board of Trade. T. 16. ,?) Fiftli Report.2. 105.