Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 4 (April 1899)
- Article
- G. L. Frankfurt a. M.
- Date
- 1899-04-01
- Page
- 241 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion. 241 und daß ein dritter Richter mit einer Jüdin verheirathet sei. Auch der neuernannte Fiskalanwalt sei Jude. Die antisemitische Presse erging sich deshalb sofort in allerlei Betrachtungen über „das Judenthum im Richter stände". Wie unbegründet diese Betrachtungen waren, geht daraus hervor, daß die Angaben der „Germania" sich als völlig unrichtig erweisen. Nur der Landgerichtsassessor Dr. Heinsheiner ist Jude; alle übrigen Mitglieder deS Landgerichts sind Christen. Der Landgerichtsdirektor Dr. W. wird möglicherweise den Juden von den Antisemiten zugezählt, weil letztere bekanntlich die Wirkung derTaufe sehr gering veranschlagen. Auch die Behauptung, daß ein Richter mit einer Jüdin verheirathet sei, ist unrichtig. Frau Landgerichtsasiessor Dr. B. ist die Tochter eines aus dem Judenthum ausgetretenen Herrn. Der Fiskalanwalt ist thatsächlich Jude, aber er ist als Fiskalanwalt kein staatlicher Beamter, sondern ein Rechtsanwalt, welcher den Staat in Civilprozeffen zu vertreten hat. O. S., Hamburg. Der von dem Hamburg-Altonaer Antisemiten- Organ dem „Deutschen Volksboten" entlehnte Bericht über die Thätigkeit der beiden deutsch-sozialen Abg. Pfisterer und Mampel im badischen Landtage ist insoweit zutreffend, als den beiden Herren eine weitgehend« Redefreiheit gewährt wurde, was weder der nationalliberalen Partei noch den badischen Juden Aerger oder Schaden zugefügt, sondern nur den Verhandlungen mitunter ein recht humoristisches Gepräge verliehen hat. Der „Deutsche Volksbote" in Heidelberg ist auch durch diese beiden Herren nicht gefördert worden, sonst wäre er nicht zu einem bloßen Ableger des in Offenbach a. M. redigierten und gedruckten Organs des hessischen Abg. Hirsche! herabgesunken. A. D„ Hamburg. Uns war die Sache überhaupt nicht zweifelhaft, aber trotzdem haben wir unS Gewißheit zu verschaffen gesucht. Die „Kreuz-Ztg." schrieb: Kürzlich hat ein Leipziger Kaufmann, August S u ß m a n n, die Leipziger Handelskammer ersucht, dahin zu wirken, daß das Epiphaniasfest und das Himmelfahrtsfest ihres Charakters als Landesfeiertage entkleidet, der Frühjahrsbußtag aufgehoben und die Feier des Reformationsfestes auf einen Sonntag verlegt werde. Die Handelskammer ist vorläufig auf diese Anregung nicht eingegangen, hat fich aber Vorbehalten, darauf zurückzukommen. An maßgebender Stelle wird man dem Gutachten einer Handelskammer über die Aufhebung und Verlegung kirchlicher Feiertage wohl keine weitere Bedeutung beilegen." Darauf war in verschiedenen Antisemiten-Blättern (auch in dem dortigen „Deutschen Blatt") zu lesen, daß Sußmann wahrscheinlich Jude sei, was seinen Antrag er-