Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 4 (April 1899)
- Article
- Lübeck
- Date
- 1899-04-01
- Page
- 220 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316650-2316655--05235-2324054- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
220 Im deutschen Reich. hauptung noch folgende charakteristische Bemerkung hinzu: „Wir erinnern uns dabei jener Verhandlung deS nämlichen Vereins, in der ein Redner ausführte, daß die national-soziale Partei auch dann als eine begrüßenSwerthe Institution anzusehen sei, wenn es ihr nur gelinge, durch ihre in der Judenfrage neutrale — und damit selbstverständlich philosemitische Haltung eine Bresche in die geschloffene antisemitische Phalanx der akademischen Jugend zu legen." Daß Pfarrer Naumann die Antwort auf diese Anzapfung nicht schuldig blieb, und daß die Abfuhr eine gründliche war, geht aus der Schlußbemerkung des antisemitischen Berichts hervor: „Kurz und gut: wenn Herr Naumann sich in der gekennzeichneten Richtung fortentwickelt, so dürfte er bald den Befähigungsnachweis für die Aufnahme in den Ehrensaal der Judenschützer zu erbringen in der Lage sein". L. Lübeck, 5. April. In der hier abgehaltenen Generalversammlung des Thierschutzvereins referirte Herr Hermberg über die Verhandlungen des Verbandstages und gab dabei einen Auszug der Debatten, die sich auf die gegen das jüdisch-rituelle Schächten gerichteten Bestrebungen bezogen. Herr Rabbiner Dr. Carlebach stellte den Antrag, daß seitens des Vereins gegen die diesbezügliche Resolution Stellung genommen werde; dieser Antrag soll demnächst im Verein zur Debatte und zur Abstimmung kommen. Herr Dr. Carlebach hob dabei hervor, daß das jüdische Schächten durchaus auf humanen Prinzipien basiere, und daß eine große Anzahl wissenschaftlicher Autoritäten sich dafür ausgesprochen hätten. Der Halsschnitt werde von eigens dafür ausgebildeten und geprüften Kultusbeamten mit solcher Akkuratesse ausgeführt, daß das Thier sofort ausblute und fast gar keine Schmerzen erleide. <2p München, 4. April. Einen warmen Nachruf widmete in der Magistratssitzung der Bürgermeister v. Brunner der am 1. April in Paris verstorbenen Baronin Clara v. Hirsch-Gereuth, die in München eine Wöchnerinnen-Stiftung mit 1 200 000 M. errichtet hat. Das Kollegium ehrte die Verstorbene, welche sich auch durch zahllose andere großartige Akte der Wohlthätigkeit ein bleibendes Andenken in unzähligen dankbaren Herzen gesichert hat, durch Erheben von den Sitzen. — Der Versuch, einer unangenehmen Berichtigung einfach die Aufnahme zu verweigern, zog dem Redakteur W e n n g des „D. Volksblattes" eine Geldstrafe von 20 Mark zu. Im „D. Volksbl." erschien eine Notiz, wonach eanä. meä. Kahn aus der Schönleinstraße in Würzburg in eine fremde Wohnung eingedrungen sein und ein Dienstmädchen zu vergewaltigen gesucht haben