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Im deutschen Reich · 1899-04-01 · Heft 4 (April 1899) · p. None

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 4 (April 1899)
Date
1899-04-01
Page
None (sequence 4)
Language
German
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fiy Mertcrg Siegfried KvonbcrcH, Wevkirr W. 57, dg Ich suchte Mch! Uahida Ruch Ka-a»«« (Nahida Re„,y). Biographische LrzLhluilg. Eleg. brosch. 3 M., eleg. geb. 4 M. eLnhalt: Trennung. — Die Gräfin. — Das Kind und die Bibel. — Die Flucht. — Seele»« *3 kämpfe. — Ehrwürden —??. — Die Konfirmandin. — Konfessionslos. — Ein seltsames Erlebnis. — Die neue Ruth. Selbstbiographien hochherziger Frauen, die den Kampf mit den vor« urteilen der Gesellschaft wacker durchgefocbten, bieten ein eigentümliches Interesse gemischter Art. verdienen schon die dargestellten Erlebnisse unfern warmen Anteil, so richtet sich unser Hauptaugenmerk doch auf die Art und weise der Darstellung; hier wie dort verlangen wir die Frau zu erkennen, die, wie sie das Schicksal weiblich erträgt, so auch in der Darstellung des« selben ihren weiblichen Charakter nickt verleugnen darf. Die Frau, die mit ihren Selbstbekenntnissen vor die Meffentlickkeit tritt, wagt einen kühneren Schritt als in solchem Falle der Mann. Wahrhaftigkeit und Zurückhaltung — beides erwartet man von ihr, und der notwendige Ausgleich zwischen beiden wird in schwierigen Konflikten leicht zu Unwahrheit oder zu Unweiblichkeit verleiten. Nur außerordentliche Frauen bleiben auch als Schriftstellerinnen durch die „Mauer der Schicklichkeit", die das weibliche Geschlecht umgiebt, vor jenen Abwegen bewahrt und verstehen es durch Offenherzigkeit und Grazie die schwierigsten proMente der Franenschriftstellerei zu lösen. Lin Beispiel dieser Art sind die Memorien der George Sand (histoire de ma vie), die am besten geeignet sind, das thörichte Vorurteil von dem unweiblichen Charakter dieser ausgezeichneten Frau zu Schanden zu machen. Die Aufrichtigkeit und Ungeziertheit, mit der diese Französin von sich selber spricht, ist uns durch die Selbstbiograxbie der Frau Nahida Lazarus in Erinnerung gerufen worden. Es ist erstaunlich, was für interessante und durch Wahrheit überraschende Züge weiblichen Wesens aus solchen aufrichtigen Frauenbekenntnissen bekannt werden. Ich will ans dem Buch der Nabida Lazarus nur ein Beispiel anführen. Als der Redakteur einer Berliner Zeitung der jungen Dame, die er nur einmal und flüchtig gesehen, seinen Besuch ankündigte, um ihr ein von ihr erbetenes Buch zum Lesen zu leihen, da weiß sie — woher und wie vermöchte sie nicht zu sagen — aber augenblicklich fühlt und weiß sie es und spricht es aus: „Also das wird mein Mann." — Der Besuch erscheint, man spricht von diesen: und jenem, scheinbar ohne innere Berührung, und der Besuch entfernt sich wieder. Aber sie weiß es noch immer so fest wie vorher. Und sie hatte sich nickt aetäuscht. Die Bekenntnisse der Frau Nabida Lazarus, der Gattin des berühmten vo!kerp!>'chologen Moritz Lazarus, enthalten mehr als allgemeine Frauenschicksale... Das L^anptereignis, wenigstens das auffallendste ihres Lebens, ist ihr Übertritt zum Judentum, der uns einfach und glaubwürdig wie alles Andere erzählt wird. Die Konfessionslosigkeit befriedigt diese ernste, religiöse Natur nicht; sie fühlt ein tiefes Bedürfnis, sich zu einer Religion zu bekennen. „Gottesglaube und Pflichterfüllung, das ist alles, was das Judentum verlangt — und das ist alles, was ick brauche." Auch dieser Zug ist weiblich, und wer die ganze Gedankenentwickelung verfolgt, wird vielleicht an ein ähnliches Buch, an die „Memoiren einer Idealistin" der M. v. Meufenburg ((881) erinnert, die, eine weniger religiöse Idealist!», nach langem Suchen ihr ganzes läcil in der Philosophie Schopenhauers sindet, die sie als absolute Wahrheit, wie die wagnersche Musik als absolute Schönheit, ergreift. Die Biographie mit dem Motto: „Ich suchte Dich!" ist ein Frauenbuch im schönen Sinne des Wortes und bietet, obgleich von einer Jüdin geschrieben, auch den ausdrücklich christlichen Frauen ein Beispiel von dem Mut und der Wahrhaftigkeit, mit welcher gewisse Ansnahmen des weiblichen Geschlechts die Religion des Herzens gegen die Zumutungen der Gesellschaft verteidigen.. _ Beurteilung des Berner Bund vom 22.-Januar (698. Und von Emil Billig Nachf., Berlin SW., Linden-Straße 53.

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