Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 3 (März 1899)
- Article
- A. M. Thorn
- Date
- 1899-03-01
- Page
- 182 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316650-2316654--05169-2323914- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
3m deutschen Reich. Z8L A. M. Thorn. Der betreffende jüdische Handwerker, welcher in einer westpreußischen Stadt von dem polnischen Kaufmann Sch. schwer beleidigt worden war, hat auf Zureden des Richters im Termin seine Klage zurückgenommen, nachdem der Beklagte ihn umVerzeihung gebeten und die Uebernahme der sämmtlichen Prozeßkosten zugesagt hatte. Damit sind wir völlig einverstanden — immer und überall Abwehr aller Beschimpfungen, aber nirgends eine als Nachsucht auszulegende Unerbittlichkeit einem Reuigen gegenüber! N. B. Hamburg. Auf den Artikel des dortigen Antisemiten- Organs „Deutsches Blatt", welcher „Die Früchte unserer manchesterlichen Kultur" überschrieben ist, können wir nur kurz erwidern, „daß es so wenig spezifisch jüdische Delikte giebt wie spezifisch christlich e". Wenn das dortige Antisemitenblatt, unter „jüdischen Delikten" diejenigen versteht, an welchen Juden prozentual mehr betheiligt sind, nämlich solche, die naturgemäß in geschäftlichen Kreisen häufiger Vorkommen als unter Handwerkern und Landwirthen — dann könnte man mit demselben Rechte auch die erschreckend angewachsenen„Rohheits-DelikLe" als „antisemitische" bezeichnen, weil bei diesen die Juden fast gar nicht in Betracht kommen. Delikte nach dem religiösen Bekenntniß zu rubrizieren, betrachten wir selbst als ein „9i ohheits-Delik t", oder als — eine Dummheit. L. S. Hamburg. Der von Herrn von Pein im deutschsozialen Resormverein zu Altona am 22. Februar gehaltenen Vortrag über das „jüdische P u r i m f e st" scheint nur eine Wiedergabe der bereits im Vorjahre bei W. Giese in Berlin erschienenen Schmähschrift „Die Nationalheldin der Juden und das Purimfest" gewesen zu sein. Uns verursacht dieser Vortrag sowie die bezügliche Notiz de§ „Deutschen Blattes" geringere Pein wahrscheinlich als den Herren Golle, Naab und v. Pein die Verheißung aus dem 6. Kapitel des Buches Esther: „Wenn er vom Stamme der Juden ist, so wirst du ihm nicht beikommen, sondern immer tiefer fallen!" Dr. M. St. in N. Es ist uns nicht recht verständlich, in wiefern Sie sich durch den betreffenden Passus getroffen fühlen konnten. Uebrigens erklärt Ihnen der Autor gern, daß er nicht im mindesten daran dachte. Sie oder Ihre Eesinnungsgenossen zu beleidigen oder Ihre Stellung in dieser Zeitschrift, die ganz andere Tendenzen verfolgt^ einer Kritik zu unterziehen. Es kam ihm nur darauf an, darzuthun, wie die Antisemiten mit verschiedenem Maße messen, wenn es sich das eine Mal um Juden, das andere Mal um Christen handelt.