Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 3 (März 1899)
- Article
- L. M., Berlin
- Date
- 1899-03-01
- Page
- 181 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefkasten her Redaktion. 18t Verkommenheit an den Tag gelegt und feine Stellung als Rechtsanwalt in hohem Grade verletzt. Der Staatsanwalt hatte vierundeinhalb Jahre Gefnngnitz beantragt, unb nur in Folge des Umstandes, daß mildernde Umstände zugebilligt wurden, entging der Angeklagte dem Zuchthaus. Wir haben uns sofort in Heilbronn erkundigt und von zuverlässiger Seite die nachstehende Auskunft erhalten: „Der ganze Bericht ist voll- , ständig richtig „b is auf ein einziges Wörtchen!" Der verurteilte Rechtsanwalt ist nämlich kein Jude, stammt auch nicht von Juden — er ist Katholik!" W e r ihn fälschlich zum Juden gemacht, w o dies und zu welchem Zwecke dies geschehen, lassen wir dahingestellt. Bei den Antisemiten heiligt der Zweck die Mittel nicht, weil ihr Zweck ebenso viel werth ist wie jedes ihrer Kampfmittel. S. D., Berlin. Wie der „Deutsch. Ztg. aus Straßburg i.E. berichtet wurde, ist dort der eand. mecL Barth, welcher „in einer Wirtschaft einen jüdischen Studenten verhauen hatte", zu sechs Monaten Gef-ängniß verurteilt und wegen Fluchtverdachts sofort verhaftet worden. D. G., Breslau. Angeblich befindet sich im Besitze des „Ttsch. Bbl." eine j ü d i s ch e V i s i t e n k a r 1 e, die folgenden Wortlaut hat: „Moses Nembucher, Rindvieh- und Geflügelhändler, Heirathsvermittler, Vorbeter, Feiertagssänger, Neujahrstrompeler, israelitischer Knabenoperateur und autorisirter Gemeinde-Mlckwe-Jnspektor." Das ist ein Scherz, der seit Jahren zum eisernen Bestand der w!tz« armen antisemitischen „Witzblätter" gehört, und leider der gesinnungs' losen jüdischen Jargon-Literatur entlehnt ist, die für die Judengegner eine wahre Fundgrube bildet. R. L., Posen. Ueber die Agitationsreise des antisemitischen Reichstagsabgeordneten Biudewald wurde der „Staatsbürger-Ztg." berichtet: „In Tirsch Liege! war eine Versammlung ange'etzt, doch weigerte sich der Wirth, von konservativer oder jüdischer.Seite eingeschüchtert, nachträglich, den Saal herzugeben. Auch in B e n t - schen und Meseritz war es durch den Einfluß der Juden unmöglich, ein Lokal für Versammlungen zu erhalten. In Tirschtiegel war es den Herren Vindewald, Bruhn und Werner nicht möglich, trotz Vorbestellung in einem Hotel Nachtquartier zu erhalten. Die Juden hatten die Wirthe derartig eingeschüchtert, daß diese sich dinkt "weigerten, die Herren zu beherbergen, so daß die letzteren noch spät Abends wieder nach Deutschen zurückkehren mußten, um dort zu übernachten." — Es wird wohl kaum einer Einschüchterung bedurft haben, um den Wirthen die Lust an den antisemitischen Versammlungen und ihren Veranstaltern zu nehmen.