Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 3 (März 1899)
- Article
- Ein verkanntes Proletariat
- Date
- 1899-03-01
- Page
- 137 (sequence 5)
- Language
- German
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Lin verkanntes Proletariat. 187 wieder auf, und heute übertrifft sie fämmtliche Diamantenmärkte der Welt an Bedeutung. Vier Faktoren sind in der Diamanten-Jndustrie zu unterscheiden: die Diamantenhändler, die Fabrikbesitzer, deren Zahl etwa 57 beträgt, die jedoch nur die Schleifsteine an die Arbeiter vcrmiethen, selbst aber gewöhnlich keinen Diamantenhandel treiben; ferner die Arbeiter, die im Dienste der Großhändler stehen, und schließlich diejenigen Arbeiter, welche von den letztgenannten zum Einsetzen der Steine verwendet werden. Wir haben uns nur mit den beiden letzten Kategorien zu beschäftigen, deren Thätigkeit in die folgenden 8 Zweige zerfällt: 1. Das Spalten, d. h. das Zerschneiden der unbearbeiteten Steine. Dies gilt als die „aristokratische" Arbeit in diesem Berufszweige. Die Spalter sind fast sämmtlich Juden; ihr Wochenlohn schwankt zwischen 50 und 300 Gulden. 2. Das Schneiden der Brillanten, d. h. die Fertigstellung des Modells, eine der schwierigsten Arbeiten. Hierzu werden zahlreiche Frauen, sämmtlich Jüdinnen, benutzt. Nicht selten tritt in diesem Zweige ein Stillstand der Produktion, verbunden mit Arbeitslosigkeit, ein. Der Lohn der männlichen Arbeiter schwankt zwischen 15 und 40 Gulden die Woche und beträgt im Durchschnitt 20 Gulden, die Arbeiterinnen, fast durchweg junge Mädchen, verdienen durchschnittlich 15 Gulden die Woche. 3. Das Schleifen der Brillanten. In diesem Arbcitszweige besteht ein Unterschied zwischen dem jüdischen und christlichen Arbeiter, indem die elfteren Grobschleifer sind und tagweise bezahlt werden, während die letzteren Kleinschleifer sind und Stücklohn erhalten. Der Wochenlohu schwankt zwischen 20 und 50 Gulden. 4. Das Schneiden der Rosen. Rosen (Rosetten) nennt man die Steine, deren Tafel flach ist und die deshalb eine konische Form annehmen.' Die Arbeiterinnen — denn es sind hierbei fast nur Frauen, mitunter sogar Mädchen von 13 bis 14 Jahren beschäftigt — arbeiten in rhr.r Mehrzahl unter dem sog. „srve'a.tilrA System“. Bor 15 Jahren gab es in diesem Prodaktionszweige noch männliche Arbeiter, heute sind sie ganz daraus verschwunden. Der Lohn beträgt durchschnittlich 7 Gulden die Woche. 6. Das Schleifen der Rosen. Hierbei werden 10