Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1899)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1899-02-01
- Page
- 119 (sequence 2)
- Language
- German
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Eingesandt, 119 bewahrt jedoch vor der Einseitigkeit ausschließlich geistiger Betätigung, schafft ein volksthümliches Erziehungsmittel von Liefeinschneidender ethischer Bedeutung. Allerdings soll die Vorbildung im Schulgarten neben den pädagogischen und ethischen Zielen und neben Kenntniß und Verständniß für die Natur auch die volkswirthschaftliche Bedeutung der Hinüberleitung zu rationeller Bodenwirthschaft in sich schließen. Der altüberkommene Betrieb des Landbaues und der damit verbundenen Gewerbe ist in mancherlei Beziehung nicht mehr haltbar. Andererseits ist für eine gewaltige gedeihliche Bewirthschaftung des Landes, die großen Massen der Bevölkerung Wohlhabenheit verschaffen kann, Raum genug in unserem Vaterlande, sofern man sich dabei alle neuzeitlichen Hülfsmittel und Vorbedingungen zu Nutze zu machen weiß. Die deutschen Getreideerträge lassen sich bei richtiger Kultur um 54^ Millionen Zentner unschwer in rentabler Weise vermehren. — Was den Obstbau betrifft, so schreibt Zschockelt: „In Deutschland giebt es viele Ländereien, die vollständig brach liegen und dem Obstbau erschlossen werden könnten.- An ^unseren Straßen fehlen oft noch die Obstbäume, oder wenn sie vorhanden sind, so sind es traurige Krüppel, die eher ein abschreckendes Beispiel geben. Auch die Obstbäume in den Gärten auf dem Lande werden in den meisten Fällen vernachlässigt, nicht gepflegt, und geben in Folge dessen schlechte Ernten. Selbst unter den Berufsgärtnern findet man häufig Leute, die den Obstbau nicht verstehen." Man sieht, wie viel es hier zu thun giebt. An uns liegt es, zu unserem Theile durch die Errichtung von Schulgärten darauf hinzuwirken, daß an Stelle jetzt bestehender Armuth und Verkümmerung die Vorbereitungen und Grundlagen für Wohlstand und soziale Freiheit großer Volkskreise geschaffen werden. Es wäre ein Jrrthum, zu glauben, daß zur rationellen Entwickelung der Landwirthschaft und aller damit verbundenen Betriebe nur der Sinn der männlichen Jugend geweckt, nur sie dafür herangebildet zu werden brauchte. Der weibliche Theil der Bevölkerung kommt in gleichem Maße in Betracht. Deshalb sind denn auch Schulgärten ebenso sehr für Mädchenwie für Knabenschulen erforderlich. Der Verein zur Förderung des Frauenerwerbs durch Obst- und Gartenbau hat folgende These angenommen: „Die Beschäftigung, gebildeter Frauen im Obft- und Gartenbau ist für Deutschland nothwendig aus hygienischen, erziehlichen, erwerblichen und volkswirthschaftlichen Gründen." Wir dürfen den Satz unbedingt erweitern; denn in dieser Form könnte er den Eindruck Hervorrufen, als ob es sich um ein Klasseninteresse in einer die ganze Nation angehenden Frage handelte. So liegt die Sache aber nicht. Die Beschäftigung mit Gartenbau und Blumen-