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Im deutschen Reich · 1899-02-01 · Heft 2 (Februar 1899) · p. 116

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 2 (Februar 1899)
Article
K. G., Hamburg
Date
1899-02-01
Page
116 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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116 Im deutschen Reich. ft* G., Hamburg. Der Bericht des dortigen AntisemitenorganS „Deutsches Blatt" über die am 21. Januar in Wittenberge Veranstaltete Versammlung des nur ca. 30 Mitglieder zählenden „Jugendbundes" bedarf allerdings der Erläuterung. Daß 450 Personen anwesend gewesen sein sollen, ist natürlich stark übertrieben; immerhin war die Versammlung sehr zahlreich, weil die meisten Erschienenen etwas ganz Anderes erwartet hatten, als ihnen geboten wurde, ganz besonders aber durch Musik- und Tanzvergnügen angelockt waren. Viele nahmen auch irrlhümlich an, daß die Versammlung von dem hier bestehenden evangelischen Jünglingsverein ausgehe. Von den Bestrebungen des Jugendbundes erhielt die Mehrheit erst durch die Ansprache Kenntniß. Der von dem Fischer Nehl geleitete antisemitische „Neformverein", von dem der antisemitische „Jugendbund" doch wohl nur ein Ableger ist, hatte insofern geschickt operiert, als er einen angesehenen Stadtverordneten bewogen hatte, die patriotische Festrede zu halten. Ob dieser sein Ansehen künftig dadurch gefährden wird, daß er sich von den Anhängern Ahlwardt's weiter treiben läßt, bleibt abzuwarten. Als Ahlwardt kürzlich hier wieder eine Versammlung abhielt, hatte er trotz des niedrigen Eintrittsgeldes von 20 Pf. im Ganzen nur 90 Zuhörer. Die intelligenten Einwohner von Wittenberge kannten den großen „Rektor aller Deutschen" bereits; jetzt kennen sie wohl auch — den Jugendbund! M. G. Leipzig. Tie spanischen Zeiten, in welchen die Inquisition den „Maranen" schlimmer mitspielte als den ihrem Glauben Ireugebliebenen Juden, scheinen zurückgekehrt. Von einem aus Bischofswerda flüchtig gewordenen Fabrikanten künstlicher Blumen schrieb die „Deutsche Wacht" am 28. Januar: „Wechselfälschungen hat der saubere Patron in großem Umfange getrieben. Am Abend vor seiner Abreise borgte N. noch bei seinem Hauswirth 6000 Mk. Er soll angeblich 30—40 000 Mk. bei sich führen. Ueber sein Geschäft ist Konkurs eröffnet. Er ist Christ geworden, um ungestört Jude bleiben zu können." Daß Bischofswerda kaunt der geeignete Ort ist, „um ungestört Jude bleiben zu können", dafür haben die dortigen Anhänger Oswald Zimmermann's reichlich gesorgt. Uebrigens geht uns ein Mann nichts an, der, um eine Anstellung bei dem antisemitischen Reichstagsabgeordneten Gräfe-Bischofswerda zu erhalten, zum Christenthum übergetreten ist. Den Schützling des Herrn Gräfe nun den Juden an die Nockschöße zu hängen, ist ein fast komisches Bemühen. G. N. Pirna. Die unter der Ueberschrist „Christliches

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