Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1899)
- Article
- O. N. Dresden
- Date
- 1899-01-01
- Page
- 61 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion. St Zimmermann schrieb am 27. Dezember: „Für Abschaffung des NationalliedeS „Deutschland, Deutschland über alles" tritt in der Nr. 170 der „Kritik" Professor Max Schneidewin ein, da eö — wie er in einer Einzelkritik des Textes nachzuweisen strebt — „für ein tieferes- Nachdenken und Gefühl zu große Anstöße bietet, als daß es die große Rolle, die es bei allen unseren patriotischen Festen allmählich, gewonnen hat, zu spielen berechtigt wäre". Ein Ersatz sei dringend zu wünschen. — Die „Mitbürger" jüdischer Nationalität werden damit einverstanden sein, sonst wohl niemand, Herr Professor!" — Herr Zimmermann irrt stch. So lange seine Redakteure und andere „völkischen" Freunde das Haus Habsburg schmähen, mögen ste nur als Kompensation „Deutschland über alles" nach der Melodie „Gott erhalte Franz den Kaiser!" weiter singen! D. H. Chemnitz. Das sächsische Antisemiten - Blatt „Deutsche Wacht" brachte am 14. v. M. folgenden Bericht: „Das König!. Landgericht zu Freiberg verurtheilte am Freitag den jüdischen Handelsmann G iese aus Elberfeld zu 10 Monaten und dessen Ehefrau zu 6 Monaten Gefängniß, sowie zur Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf 2 Jahre wegen Betruges. Die Verhandlung illustrierte wieder einmal recht drastisch, welch vermersiicher Manipulationen sich ein« gewisse Sorte Hausierer bedient, um die Leute — in diesem Fall« betrifft es Landleute aus Haselbach, Forchheim und Umgegend — zum Kaufen zu bewegen und sie „reinzulegen". Das Ehepaar bereiste die Gegend mit Geschirr und besuchte die Leute gemeinschaftlich oder auch getrennt mit Packeten, die jedes Mal 3 Meter grauen, 3 Meter blauen Shoddystoff, sowie eine Barchentschlafdecke und 6 Handtücher, enthielten. Gewöhnlich verfuhren die Händler so: Man bot zunächst ein Handtuch für 5 Pf. und die Schlafdecke für SO Pf. an, Preise, die so niedrig gestellt waren, daß dem Käufer entschieden ein gutes Geschäft in Aussicht stand. Beabsichtigte nun der Käufer diese Gegenstände zu kaufen, so erhielt er die 6 Meter Stoff angeboren, indem der Händler betonte, daß diese Maaren, alles zusammen, früher 120 Mk. gekostet hätten; man wolle aber billig verkaufen, weil in ein Paar Tagen Konkurs ausbrechen werde, und lieber wollten sie es armen Leuten zukommen lassen als den Gläubigern. Kurz, die Maaren wurden aus purem Menschlichkeitsgefühl (!) nicht wie früher für 120, sondern für 70 Mk. angeboten und — man staune — für 30 Mk. losgeschlagen. Namentlich glaubten die vertrauensseligen Käufer einen befferen Gelegenheitskauf nicht machen zu können und — fielen trotzdem noch gründlich rein, wenn man erwägt, daß der Sach-