Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1899)
- Article
- G. C. Hamburg
- Date
- 1899-01-01
- Page
- 60 (sequence 2)
- Language
- German
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<60 3m deutschen Reich. hielt, dem preußischen Kriegsministerium vorzuschlagen, beim Fahneneid für jüdische Soldaten noch die Worte einzufügen: „Ich schwöre ohne die mindeste Hinterlist oder Nebengedanken auch nicht nach meinem etwaigen darin liegenden Sinn und Auslegung der Worte, sondern nach dem Sinn des Allmächtigen und dessen Gesalbten, unseres Königs/ bei dem Namen des heiligen allmächtigen Gottes, daß ich treu u. s. iu." Der Öberrabbiner mußte seine Leutchen ja kennen." —. Das ist offenbar eine böswillige Entstellung, denn in Nr. 41 der „Mittheilungen" vom 8. Oktober v. I. wurde keineswegs mitgetheilt, daß ein Oberrabbiner eine Verschärfung des Fahneneides für jüdische 'Soldaten, sondern nur die Weglassung der christlichckonfessionellen Schlußworte in derjenigen Eidesformel für nöthig hielt. Am 30. Oktober 1819 erhielt nämlich der Kriegsminister von Boyen nachstehende Kabinetsordre: Ich genehmige hiermit den mir von Ihnen vorgeschlagenen Soldateneid für die jüdischen Glauvensgenossen, wonach der gewöhnliche christliche Soldateneid beizubehalten und nur der Anfang desselben nach dem Vorschlag des Vizeoberlandesrabbiners Weyl lnicht Würzl!» in folgender Art abzuändern ist: „Ich schwöre ohne die mindeste Hinterlist oder Nebengedanken, auch nicht nach meinem etwaigen darin liegenden Sinn und Auslegung der Worte, sondern nach dem Sinn des Allmächtigen und dessen Gesalbten, nuferes Königs, bei dem Namen des heiligen allmächtigen Gottes, daß ich treu re., mirf) die Schlußworte „durch Jesnnl Christum" wegzulassen^sind. Ich trage Ihnen auf, dessen Anwendung zu verfügen und durch das Ministerium fiir den Kultus eine zweckmäßige Vorbereitung zur Ableistung dieses Eides in einer gottesdienstlichen Versammlung zu veranlassen. gez. I' r i e d r i ch W i l h e l nr. A. C. Frankfurt a. M. In Mainz konfiszierte am 9. v. M. die Polizei in verschiedenen Stadttheilen antisemitische Flugblätter. Es handelte sich dabei um die bekannten Warnungen, keine Weihnachtseinkäufe bei Juden zu machen. Die Beschlagnahme der aufreizenden Blätter veranlaßte bald darauf die hiesige antisemitische „Staatsbürger-Ztg." zu nachstehendem Schmerzensausbruch: „Da steckt jedenfalls wieder der jüdische Denunzianten- Verein dahinter. Es ist traurig, daß die Behörden darauf eingehen, dem Treiben dieser Clique den Arm zu leihen." Diese Antisemiten können sich offenbar gar nicht vorstellen, daß Behörden sich von selbst veranlaßt fühlen, gegen solchen Unfug einzuschreiten oder daß auch Nichtjuden den Schutz der Behörden gegen so widerliche Belästigungen anrusen! O. N. Dresden. Das Organ Ihres werthen „Mitbürgers"