Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-01-01
- Page
- 39 (sequence 9)
- Language
- German
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Umschau. 3» ihm erwarteten Widerstand der fanatischen Bevölkerung gegen seine Maßregelung und der neue ihatkräftige Polizei * Präfekt von Algier, Lutand, erwies sich sofort nach seinem Amtsantritt als der rechte Mann, den fanatisierten Pöbel im Zaum zu halten. Wie vorauSzusehen war, machte der Redakteur der antisemitischen „Libre Parole", Drumont, die plötzliche Amtsenthebung seines Freundes Max RSgiS zum Gegenstände einer Interpellation in der französischen Deputiertenkammer. Dabei entspann sich am 24. Dezember in dieser Kammer eine sehr erregte Debatte. Nachdem Drumont die Behauptung aufgestellt hatte, daß die durch den Judenhaß der Algerier und Araber genährte Bewegung durch keine Zwangsmaßregeln aufgehalten werden könne, erklärte der Sozialist Rouanet, der Antisemitismus, der stets reaktionär wirke, sei auch in Algier nur aus politischen Meinungsverschiedenheiten entstanden. Dagegen versuchte Firmin Faure , die Judenhetzen in Algerien als eine Folge jüdischen Wuchers hinzustellen. Nun hielt der Ministerpräsident Dupuy eine große Rede, in welcher er die Amtsenthebung Max Nögis rechtfertigte, diesen und Drumont für die Untergrabung der Civilisation in Algerien verantwortlich machte und unter dem Beifall der Kammermehrheit hinzufügte, der Antisemitismus sei keine Doktrin, die Antisemiten seien Sektierer. Die Juden hätten ihre Fehler, aber eS sei sinnlos, sie in die Acht zu erklären. Der Minister hob hervor, daß keiner der algerischen Deputierten zur Sache einen Antrag eingebracht habe, beklagte die begangenen Ausschreitungen und schloß mit den Worten: „Seien wir gütig und entschlossen gegenüber den Eingeborenen Algeriens, appellieren wir an ihre Empfindungen für die Menschlichkeit, dann können wir sicher sein, Algerien stark und glücklich zu machen." Die Kammer beschloß einstimmig, daß die Rede Dupuy's in Algier öffentlich angeschlagen werde, und nahm mit 406 gegen 10 Stimmen eine von Dupuy gebilligte Tagesordnung an, durch welche die Erklärung der Regierung gutgeheißen und die Erwartung ausgesprochen wurde, daß die Regierung der Gewissensfreiheit Achtung verschaffen und für die Sicherheit des Privateigenthums in Algier sorgen werde. Das ist eine Niederlage, von der sich hoffentlich der Antisemitismus in Frankreich nicht so rasch wieder erholen wird. In Frankreich „Sektierer", in Oesterreich „Bildungsfeinde", in Deutschland „Franctireurs", sollten diese internationalen Judenfeinde nirgends BundeSgenoffen staatserhaltender Parteien sein, die, wenn sie irgend politischen Scharfblick besitzen, schließlich einsehen müffen: „Der Antisemitismus ist nicht nur der Feind der Juden, er ist der Feind des Staates!" A. L.