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Im deutschen Reich · 1899-01-01 · Heft 1 (Januar 1899) · p. 5

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 1 (Januar 1899)
Article
Antisemitismus und Medizin
Date
1899-01-01
Page
5 (sequence 5)
Language
German
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Antisemitismus und Medizin. 5 schweinchen mit Pestbazillen, so daß diese Geschöpfe unter den jämmerlichsten Qualen sterben. Auf diese Weise „züchtet" diese Gesellschaft die Bazillen der Pest, jener furchtbaren Seuche, deren Opfer in Wien in früheren Jahrhunderten unzählige waren." In diesem Tone geht es weiter. Sie werdm mir dankbar sein, wenn ich Ihnen weitere Kostproben dieser geradezu Ekel erregenden Lektüre erspare, es ist ein gar zu widerliches Bild, diese rohen Judenverfolger heuchlerisch als mitleidtriefende Tyierschützler! Auch will ich darauf verzichten, ein Bild davon zu geben, wie die Antisemiten im österreichischen Abgeordnetenhause den traurigen Muth besaßen, die erschütternden Ereignisse „für eine infame Rassenhetze auszuschlachten und ihre faule Sache durch ge« wissenlose Berleumdungen zu fördern." (Münch. Freie Presse, 26. Oktober 1898.) - Eines geht schon aus dieser Pest-Angelegenheit hervor: Wenn wir auch in hygienischer Beziehung, gerade dank -den von der medizinischen Wissenschaft erzielten Errungenschaften der letzten Dezennien, so große Fortschritte gemacht haben, daß die Gefahr größerer Epidemien immer mehr imaginär geworden ist, in Bezug auf die allgemeine Bildung und Kultur bedarf es noch mühevoller Arbeit, bis die nicht minder schlimme Pest des Antisemitismus erloschen ist. Ich komme zu einem zweiten Beispiel, das den Antisemitismus in künstliche Beziehung zur medizinischen Wissenschaft brachte. Auch hier gebührt der österreichischen Hauptstadt wieder der traurige Ruhm, den Kriegsschauplatz abgegeben zu haben. Kurz bevor sich die Pestfälle ereigneten, brachte die antisemitische Presse unter dem sensationellen Titel „Menschenschindereien" Enthüllungen aus dem Rudolfsspitale, nach welchen ein jüdischer Assistenzarzt, im Einverständniß mit dem Leiter des Spitals, an Patienten, die seiner Obhut anvertraut waren, wissenschaftliche Untersuchungen mit Einimpfungen von Bakterien vorgenommen habe. Bei einer Durchsicht der medizinischen Literatur, die auf Jahre zurückging, stellte sich heraus, daß auch in Leipzig und Berlin derartige Experimente angestellt worden waren, die im einzelnen als ein typisches Bild von den skandalösen Menschenschindereien in den Spitälern hingestellt und beschrieben wurden. In Parenthese will ich bemerken, daß derartige Eingriffe, wenn sie auch von der humanen Absicht

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