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Im deutschen Reich · 1898-12-01 · Heft 12 (Dezember 1898) · p. 660

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 12 (Dezember 1898)
Article
G. R. Straßburg i. E.
Date
1898-12-01
Page
660 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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660 3m deutschen Reich. daß sie sich dazu entschlosien habe, weil sie bei dem Ueberhandnehmen des Antisemitismus in Frankreich die verfolgte Religion ihres Gatten zu Lheilen wünsche. D. M. Wien. Ueber das von einem dortigen Blatt kürzlich unter der Ueberschrift „Die Judenherrschaft in der Wiener Hofoper" veröffentlichte Feuilleton schreibt die „Deutsche Kunst- und Musik-Zeitung": „Bisher war man so ziemlich allgemein der Meinung, daß Gustav Mahler ein ausgezeichneter Dirigent sei. Da ersteht ein neuer Prophet, der sich vorsichtigerweise nicht mit seinem vollen Namen unterzeichnet, und bringt die merkwürdige Kunde, daß Mahler in seiner Art des Dirigierens nicht einwandfrei sei, ja daß er oft „Sänger und Orchestermitglieder verwirre". Das ist jedenfalls sehr sonderbar, denn die Kunstwelt beglückwünschte sich zur Acquisition Mahlerts als Direktor der Wiener Hofoper, und heute findet man nach kurzer Zeit, daß derselbe Künstler ein Effekthascher, ein Originalitätshascher sei. Wenn wir aber den Artikel weiterlesen, so kommen wir auf den eigentlichen Hintergrund» Mahler ist ein Schwager des im Hofopernorchester sitzenden Konzertmeisters Arnold N o s 6 und dieser hieß ehemals R o s e n b l u m und war ein — Jude. Da lag der Hase im Pfeffer! Der ganze Artikel ist von antisemitischem Haß diktiert und ist es traurig, daß dieser Streit, der aus einem anderen Prachtgebäude der Ringstraße tagtäglich heraustönt, auch in die Hofoper eingedrungen ist. Es ist ordinär, einemKün stier, der dank seiner Energie in dem saloppen Gebühren, das in der Hofoper eingerissen war, eine Aenderung herbeigesührt hat, so zu begegnen; es ist ordinär, seine Verwandten herabzusetzen und niedriger Gesinnung zu zeihen. Daß den verschiedensten Mitgliedern des Hofopernpersonals die strenge Leitung nach der nachgiebigen Direktion des kurzsichtigen Jahn nicht angenehm ist, wollen .wir glauben; aber wir hoffen, daß die Prophezeihungen, die dieser sonderbare Herr ausgesprochen hat, nicht in Erfüllung gehen werden. Wir schätzen die Mitglieder des Hofopernorchesters viel zu hoch, als daß wir sie fähig halten könnten, der Aufforderung zu entsprechen, „jüdischer Präpotenz" Opposition zu machen." — Der Antisemitismus wirkt überall verstimmend und erweist sich als der entschiedene Gegner der Harmonie. Daß jetzt auch diejenigen, welche dem Judenthum den Rücken gekehrt haben, unter dieser Hetze zu leiden haben, haben aber nicht wir, sondern höchstens die Herren Missionare zu beklagen!

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