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Im deutschen Reich · 1898-12-01 · Heft 12 (Dezember 1898) · p. 655

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 12 (Dezember 1898)
Article
Leipzig
Date
1898-12-01
Page
655 (sequence 2)
Language
German
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Uorrespondenzen. 656 das Urtheil wegen unzureichender Feststellungen auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück. K München, 3. Dezember. Am schwarzen Brett der hiesigen Universität befand sich in den ersten Novembertagen die Ankündigung eines neugegründeten „Akademischen naturwissen» s ch a f t li ch - m e di z in i s ch e n Vereins". In dem beigefügten Satzungsauszug war u. A. die Bestimmung enthalten: „Mitglied kann jeder christliche Student der Medizin oder der Naturwissenschaften werden." Die „Münchener Freie Presse" veröffentlichte diese Thatsache sofort in einer „Antisemitismus an der Universität" überschriebenen Notiz. Der gerügte Anschlag deS akad. naturwissenschaftlichen Vereins wurde aber schon an dem der Veröffentlichung folgenden Tag vom schwarzen Brett der Universität entfernt und ist bis jetzt auch in veränderter Gestalt nicht wieder dort erschienen. Nürnberg. 5. Dezember. Im Sitzungssaal« der hiesigen Israelitischen Gemeinde wird am 18. d. M. ein süddeutscher Kongreß zur Reform der Mischen Armenpflege und Verhinderung der W a n d erbe t t e l e i stattfinden. Bei diesem Kongreß werden die Armenvercine von Frankfurt a. M., Mainz, Wiesbaden, Stuttgart, Heilbronn, Aschaffonburg, Würzburg, Bamberg, Negensburg, Augsburg, München» Fürth u. A. m. vertreten sein. ES wird vorzugsweise bezweckt, daß sich die kleineren Plätze den besseren Organisationen der größeren Städte anschließen, deren geschultes Personal Unwürdige leichter entdecken und allen angeschlossenen Vereinen zweckentsprechende Mittheilungen machen könnte. Karlsruhe, 2. Dezember. Die Mitglieder der b a d i s ch e n israelitischen Synode haben sich in nichtamtlicher Weise mit dein für zahlreiche auf dein Lande lebenden jüdischen Familien verhängnißvollen Rückgang des Zwischenhandels beschäftigt. Dabei wurde festgestellt, baß unter dem erdrückenden Wettbewerb des Großkapitals die kleinen jüdischen Geschäftsleute gerade so zu leiden haben wie di« christlichen. Was man aber gewissen großen jüdischen Geschäften zuin Vorwurf macht, das wird mitunter auch ■ auf die jüdischen Kleingeschäfte mit Unrecht übertragen. Es soll nunmehr noch nachdrücklicher als bisher versucht werden, junge Leute israelitischen Bekenntnisses dem Ackerbau und d e m G e w e r b e z u z u s ü h r e n, und eS ist hierfür eine eigene Kommission gebildet worden. Zunächst ist, der „KarlSr. Ztg." zufolge, die Errichtung von Lehrlingsheimen, von Garten- und Ackerbauschulen in'S Auge gefaßt. Man will diese Bestrebungen mit denen der jüdischen Waisenvereine in Zusammenhang halten. 50

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