Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1898)
- Article
- Köln
- Date
- 1898-12-01
- Page
- 653 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316637-2316649--04768-2323445- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Korrespondenzen. 65B K Köln, 1. Dezember. Wieder „Köln. Ztg." aus Krefeld berichtet wurde, find dort zwei aus Russisch-Polen eingewanderte Israeliten ausgewiesen worden, di« in Krefeld «in Seidengeschäst betreiben und in gutem Ansehen stehen. Politisch sind sie niemals hervorgetreten, so daß die Maßregel in Krefeld nicht verstanden wird. Auf Verwendung zweier angesehener Großkausieute wurde die Ausweisung zunächst sistiert, bis der Regierungspräsident über den Fall entschieden haben wird. 0 Frankfurt a. M.» 2. Dezember. Die „Frankfurter Zeitung" berichtet: „Wir erhalten eine Zuschrift des in Sachsenhausen neugewählten Stadtverordneten Hch. Wilh. Zeiß, der darin erklärt, daß «r kein Antisemit sei. Die Berliner „Staatsbürger-Zeitung" (die ihn bekanntlich als den „erste n Antisemiten" in der Frankfurter Stadtverordneten-Versammlung willkommen hieß) sei ihm gänzlich unbekannt. Herr Zeiß fügt hinzu: „Wenn Sie sich nur ein klein wenig bei Firmen, mit denen ich seit fünfundzwanzig Jahren im angenehmsten Verkehr steh«, erkundigt hätten, so würden sie eines anderen belehrt worden sein." — In der am 26. November hier abgehaltenen Jahresversammlung des „Freien Deutschen Hochstifts" erklärte der Referent, Professor Dr. Valentin, man habe dem Professor A. Drews in Karlsruhe mit Unrecht vorgeworfen, in seinem Vortrag über Richard Wagner antisemitische Gesinnungen kundgegeben zu haben. Drews habe aus einen an ihn gerichteten Brief geantwortet: „Zu meiner größten Ueberraschung, sowie zu meinem Bedauern ersehe ich soeben aus Ihrem Briefe und dem mir zugesandten Schreiben, welche gründliche Mißdeutungen meine Auslassungen über Wagners Judengegnerschaft erfahren haben. Es hat mir gänzlich fern gelegen, mich in diesem Punkte mit Wagner zu identifizieren und hinter der Schutzwehr von Wagners Worten meiner eigenen antisemitischen Gesinnung freien Lauf zu lasten. Ich kann dies schon deshalb nicht gethan haben, weil ich eine solche antisemitische Gesinnung nicht besitze. Haben doch von jeher zu meinen besten Freunden nicht blos Juden gezählt, sondern ich habe auch selbst bei jeder Gelegenheit mich in schärfster Weise gegen den Antisemitismus ausgesprochen. In der angedeuteten Weise gegen die Juden zu polemisieren, das hätte mir aber schon deshalb ferngelegen, weil ich ein solches Verfahren für ebenso taktlos und undankbar gegen das Freie Deutsche Hochstist wie für hinterlistig und feige halten müßte." X Dresden, 3. Dezember. Die antisemitische „Deutsche Wacht" berichtete: „Herr Cohn aus der König Johann-Straße und Herr