Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 11 (November 1898)
- Article
- Hamburg
- Date
- 1898-11-01
- Page
- 592 (sequence 2)
- Language
- German
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592 3m deutschen Reich. der Vertheidiger den Ausführungen des Staatsanwalts an und der Gerichtshof erkannte nach dem Wahrspruch der Geschworenen auf kostenlose Freisprechung beider Angeklagten. Bezeichnend für das Wesen der antisemitischen Presse ist es, daß sie bei der Einleitung des Prozesies in gehässigster Weise sich über die Angeklagten geäußert hatte, von dem Ausgange des Prozesies nicht die geringste Notiz nahm und ihre Leser darüber im Unklaren ließ. K Wien, 13. November. Die „Deutsche Wehr" brachte kürzlich einen auch von deutschen Antisemitenblättern übernommenen Bericht aus Witkowitz, wonach ein Braunsberger Jude einer Anzahl 4—6jähriger Mädchen aus verschiedenen Körperstellen Blut a b - gezapft habe, deswegen dem Kreisgerichte in Neutitschein eingeliefert und trotz des Angebots einer Kaution von 1000 Gulden in Haft geblieben sein sollte. Die Blutabzapfungs-Geschichte hat sich selbstverständlich als Märchen erwiesen. Wahr ist nur, daß in Braunsherg zwei Juden unter der Anklage wiederholter Sittlichkeitsverbrechen verhaftet worden sind. — Zwischen deutsch-nationalen Studenten und der jüdischen Verbindung „Libanonia" ist es am 12. November anläßlich des „Bummels" auf der Wiener Universität zu heftigen Zusammenstößen gekommen. Die beruhigenden Worte des herbeigeeilten Rektors, Professor Philippovich, hatten nur die Wirkung, daß die Juden unter Vortritt des Rektors, des Kanzleidirektors und des Oberpedells durch eine von höhnenden „Ariern" gebildete breite Gasse ohne weitere Mißhandlungen abziehen konnten. Uereirrsnachrichten. Im großen Saale des Königstäotischen Kasinos veranstalteten am 18. Oktober die im 6., N.? NO. und 0. Berlins wohnenden Vereinsmitglieder eine Versammlung, welche einen sehr befriedigenden Verlauf nahm. Herr Dr. Jul. M o se s eröffnete die Versammlung mit einer längeren Ansprache, die mit einer herzlichen Begrüßung des Vortragenden, der Mitglieder und Gäste abschloß. Hierauf behandelte Herr Rabbiner Dr. Ludwig Rosenthal aus P r. - S t a r - g a r d in einem einstündigen Vorträge das Thema: „Sozialreformen in Bibel und Talmud" und wies in überzeugender Weise nach, daß viele Dinge/ welche als Errungenschaften