Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1898)
- Article
- L. L. Berlin
- Date
- 1898-10-01
- Page
- 532 (sequence 2)
- Language
- German
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532 3m deutschen Reich. 28. September in unserer allgemeinen Versammlung über das Thema „Am Ende des Jahrhunderts" sprach, in keinem Verwandtschaftsverhältniß zu der Familie Fried mann. Herr Justizrath Dr. Friedemann hat in seiner Eigenschaft als Stadtverordneter erst neuerdings sein reges Interesse für den Westen Berlins durch den folgenden, von ihm in Gemeinschaft mit noch 19 Mitgliedern der neuen Fraktion der Linken in der Stadtverordneten- Versammlung eingebrachten Antrag bekundet: „Da in einem großen Theile der P r i v a t - T ö ch t e r s ch u l e n des Westens die Aufnahme der Schülerinnen von konfessionellen Rücksichten abhängig gemacht wird, ersucht die S t a d t v e r o r d n e t e n - V e r - sammlung den Magistrat, eine zweite höhere städtische Mädchenschule im Westen zu errichten." Zur Begründung dieses Antrages führte Stadtv. Dr. Friedemann aus: Im Westen der Stadt habe es schon seit Jahren Aufsehen erregt, daß die Aufnahme der Schülerinnen in die höheren Töchterschulen von der Zugehörigkeit zu bestimmten Konfessionen abhängig gemacht werde. Es seien derartige Fälle wiederholt vorgekommen und im Westen vielfach besprochen worden. Er wolle nur als Thatsache anführen, daß viele jüdische Schülerinnen in Folge ihres Ausschlusses von den öffentlichen Privatschulen auf Privatunterricht angewiesen seien, da die einzige höhere Mädchenschule im Westen ihnen wegen Ueberfüllung keine Unterkunft bieten könne. Inwieweit das Verfahren der Vorsteherinnen der Privatschulen Billigung verdiene oder nicht, darüber wolle er sich hier nicht weiter auslassen, er sei aber der Ansicht, daß die Bürger der Stadt, welchen Glaubens sie auch seien, einen Anspruch darauf hätten, gleichmäßig an den Segnungen der Bildung theilzunehmen, und daß die Stadt verpflichtet sei, in diesem Nothstande Abhilfe zu schaffen. Dieser Antrag wurde einem Ausschüsse von 15 Mitgliedern überwiesen. — Bezüglich der politischen P a r t e i st e l l u n g des Justizraths Friedemann sind Sie richtig informiert; er stand von jeher ganz auf bem Boden der „freisinnigen Volkspartei". N. M. Posen. Unsere Stellung zu der Frage der Landtagswahlen ist so bekannt, daß wir darüber eigentlich kein Wort mehr zu verlieren brauchten. Wir haben uns über die dortigen Kandidaturen genau erkundigt und darauf beschlossen, mit Rücksicht auf die Lage der dortigen Verhältnisse uns jedweden Eingreifens in den Posener Wahlkampf zu enthalten. Demgemäß haben wir unseren dortigen Vertrauensmann instruiert, demgemäß