Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1898)
- Article
- München
- Date
- 1898-10-01
- Page
- 523 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 528 mußte aber vertagt werden, weil der angeklagte Reform-Partei-Führer L. W e n g g noch am Tage vor der Verhandlung Widerklage gegen Schilein erhob. Es kam aber vor der Vertagung zur Sprache, wodurch die Klage veranlaßt worden war. Wengg hatte nämlich in seinem Blatte gegen seinen früheren Parteigenossen und Rechtsbeistand Schilein den Vorwurf des Verraths an der antisemitischen Sache und der infamen Verleumdung erhoben. Gegen seinen Kollegen in der Parteileitung und Redaktionsführung Schmalix war die Klage wegen Weiterverbreitung des Blattes und gewöhnlicher Beschimpfungen Schilein's erhoben. Die Widerklage erhob Wengg, weil Schilein von faulen Zuständen in der Partei gesprochen und ihn beschuldigt hatte, 25 Mk. aus Parteigeldern an sich genommen zu haben. Schilein hatte übrigens die Klage erst erhoben, nachdem er in Folge von seitens Schmalix abgesandter Denunziationen durch die Anwaltskammer und sein Korps dazu gedrängt wurde. L. Bamberg, 4. Oktober. Die „Bamberger Neuesten Nachrichten" berichteten: gestern Abend hatten zwei äußerst achtbare israelitische Kaufleute Gelegenheit, zu beobachten, wie einer der bekannten Bamberger Antisemitenführer in einem Wirthslokale antisemitisches Propagandamaterial an seine Tischnachbarn vertheilte. Einer derselben, ein hiesiger Gewerbsmeister, begann, nachdem er das Restaurant verlassen hatte, sofort mit dem Zettelankleben. Jedes jüdische Geschäftshaus, an dem er vorüberkam, wurde entweder durch einen Kreidestrich oder eine Etikette mit der Aufschrift: „Kauft nicht bei Juden!" kenntlich gemacht. Als er im Begriffe war, auch am Grünen Markt sein Plakatisiergeschäft fortzusetzen, wurde er von den beiden Herren Ln flagranti abgefaßt. Daß der in besten Verhältnissen lebende Mann, der nebenbei, auch noch für ein städtisches Institut Dienste leistet, sich nicht schämt, als das Werkzeug fanatischer Menschenkinder Nachts in der Stadt herumzulaufen und durch Ankleben von Hetzzetteln von besagter Art groben Unfug zu verüben, bestaunen wir sehr. Hoffentlich weiß das Gericht den liebevollen Mitbürger durch eine exemplarische Strafe von seiner antisemitischen Gesinnung wieder abzubringen." Dresden, 5. Oktober. Der Brüderverein zu Dresden ernannte Herrn Rabbiner Dr. Winter zum Ehrenmitgliede. Bei der Ueberreichung des künstlerisch ausgestatteten Diploms durch die Vorstandsmitglieder versicherte diesen Herr Rabbiner Dr. Winter, daß er es als eine Ehre betrachte, als Ehrenmitglied des Brüdervereins der Nachfolger Emil Lehmann's zu sein, dessen religiöse Anschauungen er zwar nicht getheilt, den er aber