Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1898)
- Article
- Hildesheim
- Date
- 1898-10-01
- Page
- 522 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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522 Im deutschen Reich. 7000 Mk. zur Begründung einer „Wilhelm Wolf und Henriette Dux-Stiftung". Die Zinsen des StiftungskapitalS sollen je zur Hälfte den beiden hiesigen Waisenhäusern in der Weise zu gute kommen, daß an den Geburtstagen des Kaisers und der Kaiserin Prämien, bestehend in vaterländischen Schriften, zur Vertheilung gebracht werden. H Peine, 5. Oktober. Der hiesige praktische Arzt D r. Bock erließ eine Erklärung folgenden Inhalts: „In dem unermüdlichen Streben und Arbeiten, die wahren Ursachen der bestehenden wirthschaftlichen Noth in unserem deutschen Vaterlande zu erkennen, bin ich nach gewissenhafter Prüfung zu der Ueberzeugung gekommen, daß ich den Juden Unrecht gethan habe, wenn ich sie als den vornehmsten Grund alles sozialen Uebels bezeichnte. Wenn auch das Volk Israel allerlei Sünden auf dem Kerbholz hat, so steht ihm doch wie jedem anderen Volke das falsche herrschende Wirthschaftsprinzip als Entschuldigung und Erklärung zur Seite. Da ich ferner für die letzte Reichstagswahl als antisem irischer Kandidat ausgestellt war, halte ich es für meine Pflicht, die Aenderung meiner politischen Stellung öffentlich bekannt zu geben, damit 'ich nicht in Folge eines Mißverständnisses als politischer Schuckelmeier betrachtet werde." — Gleich darauf erklärte der Vorsitzende des deutschsozialen Reformvereins, Georg Weber, öffentlich: „Wer das rücksichtslose Vorgehen des Herrn Tr. Bock gegen das Judenthum gekannt hat, dem muß die urplötzliche Sinnesänderung und die öffentliche Bekanntmachung desselben als ein psychologisches Räthsel erscheinen." Da Herr Dr. Bock als Referent für den Kasseler Parteitag angekündigt ist, scheint die antisemitische Parteileitung an seiner Sinnesänderung keinen Anstoß zu nehmen und Dr. Bock trotz seiner Erklärung die Absicht zu haben, so lange in der „Deutsch - sozialen Reformpartei" zu verharren, bis er in Kassel erfährt, wo der „Zimmermann das Loch gelassen hat". L. Elmshorn, 8. Oktober. Gegen sämmtliche Mitglieder des „R adfahrer-Vereins von 1887" hatte der hiesige Kaufmann John Rosenberg einen Prozeß angestrengt, weil er ohne irgend einen triftigen Grund aus dem Verein ausgeschlossen worden war. Das hiesige Amtsgericht hat die verklagten 49 Radfahrer-Vereins'Mitglieder zur Zurücknahme des Ausschließungsbeschluffes sowie zur Zahlung sämmtlicher Kosten verurtheilt. & München, 2. Oktober. In einer hier auf den 31. September anberaumten Schöffengerichtsverhandlung sollte die Verleumdungsklage des hiesigen Reform-Vereins-Führers Rechtsanwalt S ch i l e i n gegen L. W e n g g und Genossen zum Austrag kommen. Die Verhandlung